Bisher galt auf Twitch eine klare Reihenfolge: erst streamen, Follower sammeln, Affiliate werden – und dann irgendwann Geld verdienen. Diese Reihenfolge hat Twitch im Mai gekippt. Seit dem 13. Mai 2026 kann grundsätzlich jeder Streamer Subs, Bits und Channel Points einschalten, ohne vorher einen Status freizuschalten. Kurz darauf, im Juni, hat Twitch zusätzlich die Hürden für den Affiliate-Status gesenkt. Für alle, die nebenbei streamen, ändert das die Ausgangslage spürbar – und wirft eine Frage auf, die viele unterschätzen: Ab wann wird aus dem Hobby ein steuerpflichtiges Nebeneinkommen?
Was Twitch konkret geändert hat
Der auffälligere der beiden Schritte heißt „Monetization for All". Die wichtigsten Monetarisierungs- und Community-Werkzeuge – Bits, Subscriptions, Emotes, Badges und Channel Points – sind seitdem für alle berechtigten Kanäle weltweit verfügbar. Freischalten lässt sich das direkt im Creator-Dashboard, ganz ohne Affiliate- oder Partner-Status.
Ein Punkt bleibt allerdings, und den übersehen die Schlagzeilen gern: Die Werkzeuge lassen sich zwar sofort aktivieren, ausgezahlt wird aber weiterhin erst mit Affiliate- oder Partner-Status. Wer die Schwelle noch nicht erreicht hat, sammelt seine Einnahmen zunächst als Guthaben. In den USA hat Twitch dafür das „Spendable Balance" eingeführt: Damit lässt sich das aufgelaufene Guthaben nutzen, um selbst Bits zu kaufen oder Subs zu verschenken. Der weltweite Rollout ist für später im Jahr 2026 angekündigt, in Deutschland ist die Funktion also noch abzuwarten.
Der Weg zum Affiliate ist kürzer geworden
Parallel hat Twitch im Juni die Bedingungen für den Affiliate-Status entschärft. Statt der bisherigen Werte reichen laut den aktualisierten Angaben nun:
- 4 Stunden gestreamt (vorher 8),
- an 4 verschiedenen Tagen (vorher 7),
- mit 3 gleichzeitigen Zuschauern an diesen Tagen – die frühere Vorgabe eines Durchschnittswerts fällt weg.
Das klingt technisch, hat aber eine klare Wirkung: Die Auszahlungsschwelle rückt für kleine und Gelegenheits-Streamer deutlich näher. Wer vorher an der 7-Tage- oder Durchschnitts-Hürde gescheitert ist, kommt jetzt schneller an echtes Geld.
Der Moment, den viele übersehen: aus Hobby wird Einkommen
Genau hier wird es für dich als Streamer aus Deutschland interessant – und zwar unabhängig davon, ob du 20 Euro oder 2.000 Euro im Monat einnimmst. Sobald regelmäßig Geld über deinen Kanal fließt, entsteht steuerlich ein Gewerbe. Das betrifft praktisch alle Einnahmearten: Subs, Bits/Cheers, Werbeeinnahmen, Donations, Sponsoring, Affiliate-Links und Merch. Steuerpflichtig sind diese Einnahmen ab dem ersten Euro.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Gewerbe anmelden. Sobald die Einnahmen regelmäßig fließen, ist die Anmeldung beim Gewerbeamt fällig – die Gebühr liegt meist zwischen 15 und 65 Euro.
- Einnahmen dokumentieren. Jede Auszahlung ist eine Betriebseinnahme und gehört sauber erfasst. Belege und Unterlagen sind aufzubewahren.
- Kleinunternehmerregelung prüfen. Liegt dein Umsatz im Rahmen der Kleinunternehmergrenze, kannst du dir die Umsatzsteuer sparen und musst keine 19 % ausweisen. Für die meisten Streamer mit Nebeneinkommen ist das der einfachste Weg – die Details und typischen Fallstricke haben wir in einem eigenen Beitrag zur Kleinunternehmerregelung 2026 zusammengefasst.
- Einkommensteuer. Auf den Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) fällt Einkommensteuer an, sobald dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt.
Der entscheidende Punkt: Twitch senkt die Schwelle zum ersten Euro – aber die steuerlichen Pflichten hängen nicht am Affiliate-Status, sondern an der Regelmäßigkeit deiner Einnahmen. Wer die neuen, niedrigeren Hürden nutzt, sollte das Thema also von Anfang an mitdenken, statt es auf das erste größere Auszahlungsjahr zu schieben.
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Fazit
Twitch macht das Geldverdienen 2026 zugänglicher: Werkzeuge für alle, niedrigere Affiliate-Hürden, ein flexibleres Guthaben-System. Für Streamer ist das eine echte Erleichterung – gleichzeitig verschiebt sich der Punkt, an dem aus dem Hobby ein steuerlich relevantes Einkommen wird, nach vorn. Wer die neuen Möglichkeiten nutzt und die Buchhaltung von Anfang an mitdenkt, hat den entspannteren Start.
Dieser Beitrag ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für deine individuelle Situation wende dich an einen Steuerberater oder die zuständige Behörde.
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