Online-Shop-Systeme im Vergleich 2026: Was passt zu Ihnen?
Sie möchten online verkaufen, aber die Auswahl an Shop-Systemen erschlägt Sie? Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Wege – vom Marktplatz bis zum eigenen Shop – nach Aufwand, nötigem Wissen und echten Kosten. So finden Sie das System, das zu Ihrem Geschäft passt, statt zu dem, was gerade am lautesten beworben wird.
Inhaltsverzeichnis
- Die drei Wege, online zu verkaufen
- Gehostete Shop-Systeme (SaaS)
- Selbst gehostete / Open-Source-Systeme
- Marktplätze als Einstieg oder Ergänzung
- Kosten ehrlich gerechnet
- Welches System für welchen Typ?
- Der oft vergessene Teil: was nach der Bestellung kommt
- Häufig gestellte Fragen
- Fazit
- Quellen
Die drei Wege, online zu verkaufen
Bevor Sie ein einzelnes Produkt vergleichen, hilft ein einfaches Raster. Es gibt im Kern drei Wege:
A) Über einen Marktplatz verkaufen – Sie stellen Ihre Produkte bei eBay, Etsy oder TikTok Shop ein und nutzen deren Reichweite. Sie brauchen keinen eigenen Shop.
B) Einen eigenen Shop bei einem Anbieter mieten (SaaS / gehostet) – Sie buchen ein Komplettpaket wie Shopify. Technik, Server und Updates übernimmt der Anbieter. Sie kümmern sich um Produkte und Verkauf.
C) Einen eigenen Shop selbst betreiben (Open Source / selbst gehostet) – Sie installieren eine Shop-Software wie WooCommerce, Shopware, PrestaShop, JTL-Shop oder modified auf Ihrem eigenen Webspace. Mehr Freiheit, aber auch mehr Eigenverantwortung.
Der entscheidende Unterschied zwischen B und C ist die Frage: Wer kümmert sich um die Technik – der Anbieter oder Sie? An dieser einen Frage hängen Aufwand, Kosten und das nötige Wissen.
Was heißt das für Sie? Klären Sie zuerst diese Grundsatzfrage. Alles Weitere ergibt sich daraus.
Gehostete Shop-Systeme (SaaS)
Bei einem gehosteten System – das bekannteste ist Shopify – mieten Sie Ihren Shop wie eine Wohnung: Sie ziehen ein und richten sich ein, aber um Heizung, Dach und Leitungen kümmert sich der Vermieter. Updates, Server, Sicherheit und Verfügbarkeit liegen beim Anbieter.
Für wen geeignet: Einsteiger und alle, die schnell starten und sich nicht mit Technik beschäftigen wollen.
Vorteile: Schnell startklar, keine Server-Wartung, professionelle Vorlagen, planbare monatliche Kosten.
Nachteile: Laufende Monatsgebühr, eingeschränkte Anpassbarkeit im Detail, teils zusätzliche Gebühren für Erweiterungen („Apps“) oder für Zahlungen über Fremdanbieter.
Nötiges Wissen: Gering. Wer eine Rechnung schreiben und Fotos hochladen kann, kommt zurecht.
Kosten (Richtwerte, Stand 2026 – bitte aktuell prüfen): Basistarife beginnen bei rund 25–35 € pro Monat. Dazu können Kosten für ein Premium-Design, Apps und – je nach gewähltem Zahlungsanbieter – Transaktionsgebühren kommen.
Selbst gehostete / Open-Source-Systeme
Hier bekommen Sie die Shop-Software meist kostenlos, betreiben sie aber auf Ihrem eigenen Webspace. Das ist eher wie ein Eigenheim: Sie gestalten alles frei, sind aber selbst für Wartung und Reparaturen zuständig. In diese Gruppe fallen WooCommerce (ein Plugin für WordPress), Shopware, PrestaShop, JTL-Shop und modified eCommerce.
Für wen geeignet: Fortgeschrittene, Händler mit besonderen Anforderungen oder solche, die mit jemandem zusammenarbeiten, der die Technik betreut.
Vorteile: Volle Kontrolle, frei erweiterbar, keine festen Lizenzgebühren bei den Open-Source-Varianten, Daten liegen bei Ihnen.
Nachteile: Sie (oder ein Dienstleister) sind für Hosting, Updates und Sicherheit verantwortlich. Ohne etwas technisches Grundverständnis wird es schnell unübersichtlich.
Nötiges Wissen: Mittel bis hoch. WooCommerce ist mit WordPress-Kenntnissen gut machbar; Shopware, PrestaShop oder JTL bieten mehr Tiefe, verlangen aber auch mehr Einarbeitung.
Kosten (Richtwerte, Stand 2026): Software oft 0 €, aber: Hosting ca. 5–30 € pro Monat, Domain, SSL-Zertifikat sowie eventuell kostenpflichtige Themes, Plugins und – falls Sie es nicht selbst machen – Einrichtung und Wartung durch einen Dienstleister. Die „kostenlose“ Software ist also selten wirklich kostenlos.
Ein kleiner Hinweis aus der Praxis: JTL-Shop spielt seine Stärken vor allem zusammen mit der dazugehörigen Warenwirtschaft aus – interessant, wenn Sie größere Bestellmengen und Lager verwalten.
Marktplätze als Einstieg oder Ergänzung
Wenn Sie ohne eigenen Shop starten oder zusätzliche Reichweite möchten, sind Marktplätze der schnellste Weg. Auf eBay, Etsy und TikTok Shop verkaufen Sie an ein bestehendes Publikum.
Für wen geeignet: Einsteiger, Nebenberufliche und alle, die ein Produkt erst am Markt testen wollen, bevor sie in einen eigenen Shop investieren.
Vorteile: Sofortige Reichweite, kein eigener Shop nötig, geringe Einstiegshürde.
Nachteile: Verkaufsprovision pro Bestellung, starke Konkurrenz, wenig Markenbindung und Abhängigkeit von den Regeln der Plattform.
Kosten: Statt Monatsmiete zahlen Sie pro Verkauf. Etsy berechnet zum Beispiel eine Einstellgebühr je Artikel plus eine Transaktionsgebühr, TikTok Shop hat die Provision in Deutschland zum 8. Januar 2026 auf 9 Prozent angehoben, und bei eBay hängt die Gebühr von Kategorie und Konditionen ab.
Viele erfolgreiche Händler kombinieren beides: ein Marktplatz für Reichweite, ein eigener Shop für Marke und Marge. Mehr dazu in unseren Beiträgen zu Otto Market und TikTok Shop 2026.
Was heißt das für Sie? Ein Marktplatz ist ideal zum Testen und für den schnellen Start – ein eigener Shop lohnt sich, sobald Sie eine Marke aufbauen wollen.
Kosten ehrlich gerechnet
Der beworbene Monatspreis ist selten der echte Preis. Vor allem bei selbst gehosteten Shops kommen Posten dazu, die in keinem Werbebanner stehen. Rechnen wir es an drei typischen Größen durch. Alle Zahlen sind Beispielwerte (Stand 2026) und können je nach Anbieter, Region und Stundensatz stark abweichen.
Beispiel A: Der Einsteiger (selbst gehostet, klein)
Eine Fotografin verkauft nebenbei Drucke über einen WooCommerce-Shop auf einfachem Webspace.
| Posten | Beispielkosten / Monat |
|---|---|
| Webspace (Shared Hosting) | 5–15 € |
| Domain (z. B. 15–20 €/Jahr) | ~1,50 € |
| SSL-Zertifikat (oft inklusive) | 0 € |
| Updates/Wartung selbst gemacht | 0 € – aber Ihre Zeit |
| Summe (Geld) | ca. 7–17 € |
Klingt günstig – und ist es auch, solange Sie Updates selbst einspielen und sich das zutrauen. Der „versteckte“ Preis ist hier Ihre Arbeitszeit.
Beispiel B: Der wachsende Shop (selbst gehostet, mittel)
Ein Händler betreibt einen Shopware- oder PrestaShop-Shop auf einem eigenen (v)Server und lässt Updates von einem Dienstleister einspielen.
| Posten | Beispielkosten / Monat |
|---|---|
| Managed Server / vServer | 20–60 € |
| Domain & erweitertes SSL | ~5 € |
| Kostenpflichtige Plugins/Themes (umgelegt) | 10–30 € |
| IT-Administrator: regelmäßige Updates, z. B. 2 Std./Monat × ~90 €/Std. | ~180 € |
| Summe | ca. 215–275 € |
Der größte Posten ist hier nicht die Technik, sondern der Mensch, der sie pflegt. Ein selbst gehosteter Shop ist nie „fertig“: Shop-Kern, Plugins und Server brauchen laufend Sicherheits-Updates. Wer sie liegen lässt, riskiert ein gekapertes Shop-Konto oder einen Datenabfluss – genau die Szenarien, die wir im Beitrag Cyber-Security für Selbstständige beschreiben.
Beispiel C: Der umsatzstarke Shop (selbst gehostet, groß)
Viele Artikel, hohe Last, eigene Agentur für Betrieb und Monitoring.
| Posten | Beispielkosten / Monat |
|---|---|
| Dedizierter Server / Cloud-Infrastruktur | 80–250 € |
| Lizenzen (z. B. kommerzielle Shop-Edition) | variabel |
| Agentur/Administrator (Wartung, Updates, Monitoring), z. B. 4–8 Std./Monat × ~100 €/Std. | 400–800 € |
| Summe | ab ca. 500 € |
Was heißt das für Sie? Bei einem gehosteten System (SaaS) sind Updates, Server und Sicherheit im Monatspreis enthalten – Sie zahlen mehr „sichtbare“ Gebühr, aber kaum versteckte Kosten. Bei einem selbst gehosteten System ist die Software billig, der laufende Betrieb aber teuer – vor allem durch die regelmäßige Update-Pflege. Rechnen Sie deshalb nie nur die Lizenz, sondern immer Hosting + Updates + Ihre Zeit zusammen.
Welches System für welchen Typ?
Drei typische Profile zur Orientierung:
Die nebenberufliche Etsy-Verkäuferin: Wenige, individuelle Produkte, kleines Budget, kein Technik-Interesse. → Marktplatz (Etsy), eventuell später ein einfacher gehosteter Shop.
Der Maler-Betrieb, der Zubehör verkaufen will: Möchte nebenbei Farben und Werkzeug anbieten, ohne IT-Abteilung. → Gehostetes System (SaaS) oder WooCommerce, wenn schon eine WordPress-Seite existiert.
Der wachsende Online-Händler: Hunderte Artikel, eigene Marke, Lager. → Selbst gehostetes System wie Shopware oder JTL, oft mit Dienstleister und angebundener Warenwirtschaft.
Der oft vergessene Teil: was nach der Bestellung kommt
Egal, für welches Shop-System Sie sich entscheiden – mit dem „Kaufen“-Klick fängt Ihre Büroarbeit erst an. Für jede Bestellung fallen eine Rechnung, die Zuordnung der Umsatzsteuer, eine geordnete Ablage und am Jahresende Auswertungen für Finanzamt und Steuerberater an. Viele Händler tippen das von Hand ab – aus mehreren Shops in mehrere Listen. Das kostet Zeit und ist fehleranfällig.
Hier kann eine Bürosoftware helfen, die direkt an Ihre Verkaufskanäle angebunden ist. Easy Invoice in der Office1 Cloud lässt sich mit den Systemen aus diesem Artikel verbinden – den eigenen Shops Shopware 6, Shopify, WooCommerce, JTL-Shop, PrestaShop und modified eCommerce sowie den Marktplätzen eBay, Etsy und TikTok Shop. So bleibt Ihr Backoffice weitgehend unabhängig davon, welches Shop-System Sie heute nutzen oder später wechseln.
Funktionen, die im Onlinehandel-Alltag oft hilfreich sind:
Bestellungen in Belege überführen. Bezahlte Bestellungen lassen sich aus dem Shop importieren; Sie prüfen die Positionen und können daraus eine Rechnung oder einen Lieferschein erstellen – statt jede Bestellung abzutippen.
Unterstützung bei der Umsatzsteuer. Die Software kann Sie bei der Zuordnung des passenden Umsatzsteuer-Falls je Position unterstützen – etwa Inland, innergemeinschaftliche Lieferung mit USt-IdNr, Ausfuhr ins Drittland oder Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Solche Vorschläge ersetzen keine steuerliche Prüfung; die Verantwortung für die korrekte Versteuerung bleibt bei Ihnen bzw. Ihrem Steuerberater.
Formate für die E-Rechnung. Rechnungen lassen sich in den Formaten XRechnung und ZUGFeRD erzeugen, die sich an der europäischen Norm EN 16931 orientieren. Nach aktueller Rechtslage gilt die Empfangspflicht seit 2025, die Sendepflicht ist gestaffelt ab 2027 vorgesehen – mehr dazu in unserem Beitrag zur E-Rechnungspflicht 2027/2028.
Nachvollziehbarer Belegfluss. Angebot → Auftrag → Lieferschein → Rechnung, bei Bedarf Gutschrift oder Storno. Die Belege bleiben miteinander verknüpft, und bereits versendete Belege lassen sich gegen versehentliches Ändern sperren. Das kann eine geordnete, nachvollziehbare Belegführung unterstützen.
Auswertungen für den Überblick. Vorbereitete Auswertungen wie EÜR, UStVA-Vorbereitung, BWA, Offene Posten und Kundenumsätze können Ihnen helfen, Umsatz, voraussichtliche Steuerlast und ausstehende Zahlungen im Blick zu behalten – und erleichtern die Abstimmung mit dem Steuerberater.
Cashflow im Blick. Ein integriertes Mahnwesen und ein PayPal-Konto-Import können dabei helfen, offene Beträge früher zu erkennen und nachzufassen.
Cloud, mehrsprachig, Hosting in Deutschland. Zugriff per PC, Mac, Tablet oder Handy; Oberfläche und Belege in 9 Sprachen; Betrieb in Deutschland mit Blick auf den Datenschutz und mit regelmäßigen Backups.
Was heißt das für Sie? Wählen Sie Ihr Shop-System nach Reichweite und Verkauf – und klären Sie früh, wie Bestellung, Rechnung, Steuer und Buchhaltung zusammenspielen. Eine angebundene Bürosoftware kann Ihnen diesen Teil erleichtern und Ihr Backoffice weitgehend unabhängig vom Shop halten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem gehosteten und einem selbst gehosteten Shop?
Bei einem gehosteten Shop (SaaS) kümmert sich der Anbieter um Technik und Server, Sie zahlen eine Monatsgebühr. Bei einem selbst gehosteten Shop betreiben Sie die Software selbst und sind für Wartung und Sicherheit verantwortlich.
Welches Shop-System eignet sich für Anfänger?
Für den Einstieg ohne Technikkenntnisse sind Marktplätze oder gehostete Systeme am einfachsten. Selbst gehostete Open-Source-Systeme bieten mehr Freiheit, verlangen aber mehr Einarbeitung oder einen Dienstleister.
Sind Open-Source-Shops wirklich kostenlos?
Die Software ist oft kostenlos, aber Hosting, Domain, eventuelle Plugins und die Pflege verursachen laufende Kosten. „Kostenlos“ bezieht sich nur auf die Lizenz, nicht auf den Betrieb.
Kann ich Marktplatz und eigenen Shop kombinieren?
Ja, und viele tun das. Der Marktplatz bringt Reichweite, der eigene Shop stärkt Ihre Marke und Marge. Wichtig ist, dass Bestellungen aus allen Kanälen zentral in Ihrer Rechnungs- und Buchhaltung zusammenlaufen.
Muss ich mein Shop-System später wechseln, wenn ich wachse?
Nicht zwingend. Viele starten auf einem Marktplatz oder einem gehosteten Shop und wechseln erst, wenn die Anforderungen steigen. Eine vom Shop unabhängige Büro- und Rechnungssoftware erleichtert einen späteren Wechsel, weil Ihr Backoffice gleich bleibt.
Fazit
Es gibt nicht das eine beste Shop-System – es gibt das passende für Ihre Situation. Entscheiden Sie entlang von drei Fragen: Marktplatz oder eigener Shop? Wie viel Technik traue ich mir zu? Was kostet es wirklich? Und behalten Sie den Teil im Blick, den fast alle unterschätzen: Rechnungen, Steuer und Buchhaltung. Eine Bürosoftware, die Ihre Shops anbinden kann, hält Ihnen den Rücken frei – damit Sie sich auf das Verkaufen konzentrieren können.
Quellen
- Office1 Cloud / Easy Invoice – unterstützte Shop-Anbindungen und Funktionen — Übersicht der angebundenen Shop-Systeme und Marktplätze sowie der Funktionen (Bestellimport, Belegfluss, Auswertungen, E-Rechnung).
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die genannten Preise und Gebühren sind Beispielwerte und können je nach Anbieter und Einzelfall abweichen. Für Ihren individuellen Fall konsultieren Sie bitte einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.