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eBay Fahrzeugteile: Ab 28. September ist die kostenlose Rücknahme Pflicht

Neue Teile über 10 Euro zum Festpreis: Ab 28. September müssen Sie 30 Tage kostenlos zurücknehmen. Was sich konkret ändert, welche Retouren gar nicht darunterfallen, warum eBay die Umstellung notfalls selbst vornimmt – und warum der 12. August für Sie wichtiger ist als der Stichtag.

eBay Fahrzeugteile: Ab 28. September ist die kostenlose Rücknahme Pflicht

Ab dem 28. September 2026 müssen gewerbliche Verkäufer bei betroffenen Angeboten aus den Fahrzeugteile-Kategorien eine kostenlose Rückgabe von mindestens 30 Tagen anbieten. Es geht um neue Artikel über 10 Euro, die als Festpreis oder Sofort-Kauf innerhalb Deutschlands verkauft werden. Wichtig und in den meisten Meldungen untergegangen: Betroffen sind ausschließlich Rückgaben, bei denen der Käufer es sich anders überlegt hat. Defekte Teile und Teile, die laut Fahrzeugdaten passen sollten und dann doch nicht passen, laufen weiter nach den bisherigen Regeln. eBay beteiligt sich mit 50 Prozent an den Kosten des Rücksendeetiketts, aber nur beim eBay-Etikett im Standardversand. Und wer seine Rücknahmebedingungen freiwillig früher umstellt, bekommt diese Beteiligung schon ab dem 12. August 2026.

Inhalt

  1. Bin ich überhaupt betroffen? Der Fünf-Punkte-Check
  2. Der Satz, der die halbe Aufregung erledigt: nur „anders überlegt"
  3. Was sich konkret ändert: heute gegen ab 28. September
  4. Die 50 Prozent gibt es nur mit dem eBay-Etikett
  5. Was kostet mich das? Zum Nachrechnen mit eigenen Zahlen
  6. Der 12. August: sechs Wochen Kostenbeteiligung, die sonst verfallen
  7. Was passiert, wenn ich nichts umstelle – und wie ich es selbst mache
  8. Kann ich der Regel ausweichen?
  9. Die billigste Retoure ist die, die gar nicht erst kommt
  10. Wenn das Teil eingebaut zurückkommt
  11. Was jede Retoure in Ihren Papieren auslöst
  12. eBay-Bestellungen, Rechnungen und Retouren in einem Ablauf
  13. Deutschland ist die dritte Stufe – was sich aus USA und Großbritannien ableiten lässt, und was nicht
  14. Der nächste Termin steht schon – und was diese Woche zu tun ist

Bin ich überhaupt betroffen? Der Fünf-Punkte-Check

eBay spricht von „berechtigten" Angeboten. Gemeint sind Angebote, die alle diese Merkmale erfüllen:

  • Sie verkaufen gewerblich, nicht privat.
  • Das Angebot liegt in einer der betroffenen Kategorien für Fahrzeugteile und Zubehör.
  • Der Artikel ist neu – in Großbritannien zählt auch der Zustand „Neu – sonstige" dazu.
  • Der Preis liegt über 10 Euro, gerechnet ohne Versandkosten.
  • Es ist ein Festpreisangebot oder Sofort-Kauf mit Versand innerhalb Deutschlands.

Nicht betroffen sind Auktionen, Gebrauchtteile, Bestellungen ins Ausland, Gefahrgut sowie schwere, sperrige oder per Spedition versandte Ware. Für einen gebrauchten Turbolader aus der Auktion ändert sich nichts, für den neuen Bremssattel zum Festpreis schon.

Welche Kategorien konkret ausgenommen sind, sagt die deutsche Ankündigung nicht. In Großbritannien, wo dieselbe Regel seit dem 8. Juni 2026 gilt, nennt eBay die Ausnahmen im Regeltext beim Namen: Reifen sowie Rad-Reifen-Pakete, Batterien und Gefahrgut, schwere und sperrige Ware, dazu in einer eigenen Liste unter anderem Airbags, komplette Motoren und Sicherheitsgurte. Auch die Selbstabholung ist ausgenommen.

Ob die deutsche Liste identisch ist, hat eBay nicht bestätigt. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die britische Aufstellung, sondern prüfen Sie die maßgebliche Liste in Ihrem Verkäuferportal – das ist der eine Punkt in diesem Artikel, den Sie nicht schätzen sollten.

Und wenn ich an Werkstätten verkaufe? Ein gewerblicher Käufer hat kein gesetzliches Widerrufsrecht, das steht nur Verbrauchern zu. Die eBay-Regel ist aber keine Vorschrift des Gesetzgebers, sondern eine Bedingung der Plattform – und die knüpft an das Angebot an, nicht an den Käufer dahinter. Ob eBay bei einem Verkauf an einen Gewerbekunden eine Ausnahme macht, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Wenn ein nennenswerter Teil Ihres Umsatzes an freie Werkstätten und Betriebe geht, ist genau das die Frage, die Sie dem eBay-Verkäuferservice stellen sollten. Die Antwort kann für Ihre Kalkulation mehr wert sein als alles andere in diesem Artikel.

Der Satz, der die halbe Aufregung erledigt: nur „anders überlegt"

Die Pflicht zur kostenlosen Rücknahme greift nur bei einem einzigen Rückgabegrund: der Käufer hat es sich anders überlegt. Im eBay-Regeltext heißt das „change of mind" oder „remorse return" – versehentlich bestellt, doch nicht gebraucht, woanders günstiger gefunden.

Nicht betroffen sind:

  • Mängel und Defekte. Wenn das Teil kaputt ankommt oder nicht funktioniert, gelten die bisherigen Regeln. Da haben Sie ohnehin schon immer gezahlt.
  • Falsch beschriebene Artikel. Auch hier bleibt es beim Alten, und die 50-Prozent-Beteiligung von eBay gibt es dafür nicht.
  • Das Fahrzeugteile-Versprechen. Wenn ein Käufer ein Teil über die Fahrzeugdaten ausgewählt hat und es passt trotzdem nicht, greift das eigenständige Programm, das eBay dafür seit 2023 fährt. Das ist ausdrücklich nicht dieselbe Sache wie die neue Regel, auch wenn beides „kostenlose Rückgabe" heißt. Beide bestehen nebeneinander.

Das ist für Ihre Kalkulation entscheidend. Im Teilehandel ist „passt nicht" der häufigste Rücksendegrund – und genau der fällt überwiegend in die anderen Töpfe. Rechnen Sie also nicht mit Ihrer gesamten Retourenquote, sondern nur mit dem Anteil, bei dem der Käufer „Meinung geändert" oder „versehentlich bestellt" angegeben hat. Diesen Anteil finden Sie in Ihrer Rückgabeübersicht.

Der Haken daran, und den sollten Sie kennen: Wenn kostenlose Rücksendungen sichtbar beworben werden, wandern Rückgabegründe. Ein Käufer, der früher „passt nicht" angeklickt hat, klickt dann eher den Grund an, der ihm garantiert kein Porto kostet. Wie stark dieser Effekt ist, weiß niemand vorher.

Was sich konkret ändert: heute gegen ab 28. September

Links steht, was heute für ein betroffenes Angebot gilt, rechts, was ab dem Stichtag gilt.

HeuteAb 28. September 2026
Rückgabefrist14 Tage Widerrufsrecht nach dem Gesetzmindestens 30 Tage, weil eBay es verlangt (wählbar sind 30 oder 60)
Wer zahlt die Rücksendungder Käufer – wenn Sie ihn korrekt darüber informiert habenSie. eBay erstattet Ihnen die Hälfte des Etiketts
Bei welchem Grundbei jedem Widerrufnur wenn der Käufer es sich anders überlegt hat
Freiwillig oder Pflichtfreiwillig; viele bieten es als Verkaufsargument anPflicht für betroffene Angebote, kein Opt-out
Welche AngeboteIhre Entscheidung, Angebot für Angebotneu, über 10 Euro netto, Festpreis, Versand in Deutschland
Wenn Sie nichts ändernnichtseBay stellt Ihre Angebote selbst um
Kostenbeteiligung von eBaykeine50 Prozent, aber nur beim eBay-Etikett im Standardversand

Zwei Dinge werden dabei regelmäßig verwechselt.

Das Gesetz ändert sich nicht. Ihre Käufer haben als Verbraucher 14 Tage Widerrufsrecht, das steht in § 355 BGB. Und die unmittelbaren Kosten der Rücksendung dürfen Sie ihnen auferlegen, wenn Sie sie vorher darüber informiert haben – § 357 Absatz 5 BGB, unverändert. Was sich ändert, ist eine Vertragsbedingung der Plattform: eBay verlangt von Ihnen mehr, als das Gesetz verlangt. Das darf eine Plattform, und es lässt sich nicht mit einem Verweis aufs BGB abwehren.

Die zusätzlichen 16 Tage sind ein Versprechen an den Käufer, kein verlängertes Widerrufsrecht. Diese Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei. Wenn Sie aus Anlass der Umstellung Ihre Widerrufsbelehrung anfassen und dort plötzlich „1 Monat" steht, während im Angebot „30 Tage" ausgewiesen wird, haben Sie zwei Angaben, die sich widersprechen – ein Monat hat nicht immer 30 Tage. Die IT-Recht Kanzlei hat schon 2018 darauf hingewiesen, dass genau dieser Widerspruch bei eBay-Angeboten abgemahnt werden kann. Der sauberere Weg ist, die gesetzliche Widerrufsbelehrung unangetastet zu lassen und die 30 Tage als das zu führen, was sie sind: eine freiwillige vertragliche Rücknahme daneben. Wie Sie das in Ihren Rechtstexten abbilden, gehört allerdings zu jemandem, der Ihre Texte kennt – dieser Artikel ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Die 50 Prozent gibt es nur mit dem eBay-Etikett

Hier lässt man ohne es zu merken Geld liegen.

Die Kostenbeteiligung gilt für das eBay-Rücksendeetikett im Standardversand. Nutzt der Vorgang stattdessen ein Express-Etikett oder ein privat gekauftes Etikett – etwa weil Sie einen eigenen Rahmenvertrag mit einem Versender haben und der billiger ist –, beteiligt sich eBay nicht. Dann zahlen Sie den vollen Betrag.

Rechnen Sie das nach, bevor Sie aus Gewohnheit beim eigenen Vertrag bleiben: Ein eigenes Etikett für 4,20 Euro ist teurer als ein eBay-Etikett für 5,50 Euro, von dem Sie 2,75 Euro erstattet bekommen. Der günstigere Einkaufspreis ist hier die teurere Variante. Setzen Sie Ihre eigenen Preise ein, aber vergleichen Sie den Preis nach Erstattung, nicht den Listenpreis.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Erstattung gibt es nur für Rückgaben, bei denen der Käufer es sich anders überlegt hat – bei einem defekten oder falsch beschriebenen Teil tragen Sie die Rücksendung voll, so wie bisher auch. Und wann Sie das Geld sehen, sagt die Ankündigung nicht: ob eBay die Hälfte direkt beim Etikettkauf abzieht oder Ihnen später gutschreibt, bleibt offen. Sehen Sie beim ersten Fall in Ihrer Verkäuferabrechnung nach, statt es zu unterstellen.

Was kostet mich das? Zum Nachrechnen mit eigenen Zahlen

Die folgenden Zahlen sind ein Beispiel, keine Statistik. Ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen.

Angenommen: 300 verkaufte Neuteile im Monat, Durchschnittspreis 42 Euro, also 12.600 Euro Umsatz. Retourenquote insgesamt 6 Prozent, macht 18 Rücksendungen. Davon entfallen 6 auf „Meinung geändert" – die übrigen 12 sind Mängel oder Passungsfälle und damit nicht betroffen. Ein Rücksendeetikett kostet 5,50 Euro.

HeuteAb 28.09. mit eBay-EtikettAb 28.09. mit eigenem Etikett
Betroffene Rücksendungen666
Portokosten dafür33 €33 €33 €
davon bei Ihnen0 €16,50 €33 €
Anteil am Umsatz0 %0,13 %0,26 %

Das sieht kleiner aus als befürchtet – und ist es auch, solange die Zahl der Rückgaben gleich bleibt. Genau das ist aber die offene Frage. Rechnen Sie deshalb eine zweite Zeile mit der Annahme, dass sich die Zahl der „Meinung geändert"-Fälle verdoppelt, weil das Fenster länger ist und die kostenlose Rückgabe beworben wird:

Bei 12 betroffenen Rücksendungen: 66 Euro Porto, davon 33 Euro bei Ihnen mit eBay-Etikett – 0,26 Prozent vom Umsatz. Mit eigenem Etikett 66 Euro, also 0,52 Prozent.

Die Botschaft aus beiden Varianten: Das Rücksendeporto allein ist verkraftbar. Es bewegt sich im Bereich von ein bis fünf Zehntel Prozentpunkten Marge, und über den Preis wären das bei 42 Euro Durchschnittspreis fünf bis elf Cent je Artikel.

Der größere Posten steht nicht in dieser Tabelle. Es ist der Wertverlust an der zurückgekommenen Ware: geöffnete Verpackung, Einbauspuren, ein Teil, das Sie nicht mehr als neu verkaufen können. Diese Position ändert sich durch die neue Regel nicht – sie wird nur häufiger anfallen, wenn die Zahl der Rücksendungen steigt. Legen Sie deshalb neben die 5,50 Euro Porto den durchschnittlichen Warenwert Ihrer Rücksendungen und den Anteil, den Sie davon abschreiben müssen. Ob diese Zahl bei Ihnen über oder unter dem Porto liegt, hängt an Ihrem Sortiment: Bei Kleinteilen dominiert der Versand, bei teuren Bauteilen die Ware. Wie viel Sie vom Wertverlust beim Käufer geltend machen können, steht im Abschnitt zum Wertersatz.

Zwei weitere Posten fehlen in praktisch jeder Meldung zu diesem Thema, obwohl sie in jede Retourenrechnung gehören:

Das Hinporto zahlen Sie ebenfalls zurück. Beim Widerruf müssen Sie dem Käufer nicht nur den Kaufpreis erstatten, sondern auch, was er für die Lieferung bezahlt hat – so steht es in § 357 Absatz 2 BGB. Nur Mehrkosten für eine teurere Versandart als Ihre günstigste Standardlieferung dürfen Sie einbehalten. Neu ist das nicht, es gilt schon heute. Aber wer jetzt überschlägt, was ihn eine Rücksendung kostet, vergisst es regelmäßig: Bei einem Teil für 12 Euro mit 4,99 Euro Versand ist das Hinporto der größere Brocken, nicht das Rücksendeetikett.

Die Verkaufsprovision bekommen Sie zurück. eBay schreibt sie gut, sobald Sie die Rücknahme akzeptiert und den Kaufpreis erstattet haben; die Gutschrift landet in Ihren verfügbaren Auszahlungen. Sehen Sie beim ersten Fall nach, ob auch der feste Anteil je Bestellung dabei ist – das ist der Rest, der an Ihnen hängen bleibt. Die Einzelheiten stehen in der eBay-Hilfe zu den Gebührengutschriften.

Der 12. August: sechs Wochen Kostenbeteiligung, die sonst verfallen

Der Stichtag für die Pflicht ist der 28. September. Die Kostenbeteiligung von eBay startet aber schon am 12. August – für alle, die ihre Rücknahmebedingungen bis dahin freiwillig angepasst haben.

Dazwischen liegen sechseinhalb Wochen. In dieser Zeit gilt für Frühumsteller: 50 Prozent Erstattung auf jedes Rücksendeetikett, während alle anderen noch gar keine Erstattung bekommen können. Der Haken ist ehrlicherweise, dass Sie in diesen Wochen auch schon die kostenlose Rücknahme gewähren, die Sie sonst noch nicht gewähren müssten.

Für einen Teil der Händler ist die Rechnung trotzdem eindeutig: Wer ohnehin schon einen Monat Rückgabe anbietet – und das tun viele Teilehändler –, sollte auf jeden Fall bis zum 12. August umstellen. Sie erbringen die Leistung bereits, bekommen aber bisher nichts dafür. Das ist geschenktes Geld.

Wer heute 14 Tage und Rücksendung auf Käuferkosten fährt, tauscht dagegen echte Kosten gegen einen Vorlauf im Wettbewerb. Ob sich das lohnt, hängt an Ihrer Quote und daran, wie eng Sie in Ihrer Kategorie mit anderen um dieselben Teile konkurrieren.

Was passiert, wenn ich nichts umstelle – und wie ich es selbst mache

Anders als bei den meisten Marktplatz-Änderungen können Sie das nicht aussitzen – nicht weil eine Strafe droht, sondern weil eBay es für Sie erledigt.

So lief es in Großbritannien: Betroffene Bestandsangebote, die die Bedingung nicht erfüllten, hat eBay im Juni automatisch angepasst. Neue Angebote, die nicht passten, wurden geändert oder gar nicht erst veröffentlicht; ab August wurden nicht konforme Angebote blockiert. Der eBay-Regeltext sagt das offen: nicht konforme Angebote werden aktualisiert, neue werden angepasst oder nicht freigeschaltet. Ob eBay in Deutschland exakt denselben Ablauf fährt, ist nicht ausdrücklich bestätigt – dass es überhaupt nichts tut, ist nach der britischen Erfahrung aber nicht zu erwarten.

Praktisch heißt das: Die Frage ist nicht, ob Ihre Angebote umgestellt werden, sondern ob Sie es mitbekommen, bevor die erste kostenlose Retoure eintrifft. Wer die Umstellung selbst macht, kann vorher kalkulieren, Preise anpassen und den 12.-August-Vorteil mitnehmen.

Sie müssen dafür nicht jedes Angebot einzeln anfassen. Die Rücknahmebedingung ist bei eBay eine Richtlinie, die Sie einmal anlegen und dann Ihren Angeboten zuweisen – bei einigen tausend Artikeln ist das der Unterschied zwischen einer halben Stunde und einer Woche. Den Weg dorthin beschreibt eBay in der Hilfe zu den Rücknahmebedingungen. Legen Sie sich dabei eine eigene Richtlinie nur für die betroffenen Fahrzeugteile-Angebote an, statt Ihre bestehende für alles zu ändern. Sonst gewähren Sie die kostenlose Rücknahme künftig auch bei Gebrauchtteilen, Auktionen und Kleinteilen unter 10 Euro – also überall dort, wo Sie gar nicht müssten.

Ein Punkt, der leicht untergeht: die Schnittstelle. Wenn Sie über ein Multichannel-Tool listen – Plentymarkets, Afterbuy, M2E, JTL oder ähnliche –, kommen Ihre Angebotsdaten von dort. Ändern Sie die Rücknahmebedingung nur bei eBay, überschreibt das Tool sie beim nächsten Abgleich wieder mit dem alten Wert. Stellen Sie die Rückgabefrist auf 30 oder 60 Tage und die Rücksendekosten auf „Verkäufer" im Quellsystem um, nicht nur in der eBay-Oberfläche, und prüfen Sie anschließend die Synchronisierungseinstellungen. Denselben Blick verdienen alte Angebotsvorlagen, an die man länger nicht gedacht hat.

Kann ich der Regel ausweichen?

Ein Opt-out gibt es für betroffene Angebote nicht. Übrig bleiben die Ausnahmen – und alle drei haben einen Preis:

Als Auktion einstellen statt zum Festpreis. Auktionen sind ausgenommen. Sie verlieren damit aber den planbaren Preis, und wer ein passendes Ersatzteil braucht, kauft in der Regel sofort und nicht in sieben Tagen.

Als gebraucht statt neu anbieten. Nur zulässig, wenn der Artikel tatsächlich gebraucht ist. Aus den USA, wo die Regel seit 2025 gilt, wurde berichtet, dass Verkäufer genau das versucht haben: neue Teile als „gebraucht" oder mit geöffneter Verpackung eingestellt. Das ist eine falsche Zustandsangabe, sie fällt bei der ersten Reklamation auf, und der Käufer, der ein Neuteil erwartet hat, macht daraus einen Fall, der Sie teurer zu stehen kommt als jede Retoure.

Unter 10 Euro bleiben. Bei Kleinteilen wie Klammern, Dichtungen oder Ventilkappen ist das ohnehin die Realität. Und anders als die beiden anderen Wege ist das keine Umgehung, sondern eine Sortimentsfrage: Gerade knapp über der Grenze ist das Verhältnis von Rohertrag – also dem, was nach Einkauf und Gebühren übrig bleibt – zum Portoanteil am ungünstigsten. Ob Sie ein 12-Euro-Teil einzeln oder im Zweierset verkaufen, dürfen Sie ohnehin entscheiden.

Ehrliche Einschätzung: Von den ersten beiden Wegen würde ich abraten. Die Regel kostet ein bis fünf Zehntel Prozentpunkte Marge am Rücksendeporto. Beide Umgehungswege kosten mehr, sobald der erste Fall auffliegt.

Die billigste Retoure ist die, die gar nicht erst kommt

Ab dem 28. September zahlen Sie bei einem Teil der Rücksendungen mit. Damit wird Passgenauigkeit zum ersten Mal direkt zu einer Zahl in Ihrer Marge – und das ist der Punkt, an dem Sie tatsächlich etwas bewegen können, während Sie an der Regel selbst nichts ändern können.

Die Fahrzeugverwendungsliste vollständig pflegen. Sie ist der stärkste Hebel im Teilehandel. Jedes Fahrzeug, das fehlt, kostet Sie einen Verkauf. Jedes Fahrzeug, das zu Unrecht drinsteht, kostet Sie ab September eine Retoure – und wenn es über die Fahrzeugdaten ausgewählt wurde, landet der Fall zusätzlich im Fahrzeugteile-Versprechen.

OE-Nummern und Vergleichsnummern in die Artikelmerkmale, nicht nur in den Beschreibungstext. Käufer suchen mit der Nummer vom alten Teil in der Hand.

Einschränkungen deutlich schreiben, nicht kleingedruckt. „Nur für Fahrzeuge bis Baujahr 05/2019", „nicht für Modelle mit Sportfahrwerk". Ein Satz, der eine Retoure verhindert, ist ab September bares Geld wert.

Fotos vom echten Teil, inklusive Anschlüssen und Steckern. Bei Elektronikteilen ist der falsche Stecker eine der häufigsten Rücksendeursachen – und eine, die ein einziges zusätzliches Foto verhindert.

Wenn das Teil eingebaut zurückkommt

Der praktische Fall in dieser Kategorie: Der Käufer hat den Sensor eingebaut, gemerkt, dass er nicht passt, wieder ausgebaut – und schickt ihn mit Montagespuren zurück. Genau hier liegt das Geld, nicht beim Porto.

Kostenlose Rücknahme heißt, dass Sie das Versandetikett tragen. Sie heißt nicht, dass Sie jeden Wertverlust hinnehmen müssen. Beim gesetzlichen Widerruf gibt es dafür den Wertersatz: Prüfen darf der Käufer, benutzen nicht – wobei die Grenze zwischen beidem im Streitfall oft genau in der Mitte liegt und Sie ihn vorher korrekt darüber informiert haben müssen. Was Sie abziehen dürfen und was nicht, steht ausführlich in unserem Beitrag Benutzte Ware zurückgeschickt: Wertersatz beim Widerruf.

Dokumentieren Sie den Zustand bei Wareneingang mit Foto. Das ist bei Kfz-Teilen kein übertriebener Aufwand, sondern der einzige Nachweis, den Sie später haben – und ab September der Posten, der über Gewinn oder Verlust einer Rücksendung entscheidet.

Was jede Retoure in Ihren Papieren auslöst

Eine zurückgenommene Bestellung ist nicht damit erledigt, dass Sie das Geld erstatten. Die Rechnung, die Sie zum Verkauf ausgestellt haben, stimmt danach nicht mehr – und mit ihr stimmt die ausgewiesene Umsatzsteuer nicht mehr, die Sie ans Finanzamt gemeldet haben.

Sauber ist der Weg über eine Storno- oder Korrekturrechnung mit Bezug auf die ursprüngliche Rechnungsnummer. Die alte Rechnung wird nicht gelöscht und nicht überschrieben, sondern durch ein zweites Dokument aufgehoben. Wann Storno und wann Korrektur richtig ist, haben wir hier beschrieben: Rechnung korrigieren: Stornorechnung und Korrekturrechnung.

Bei zwei Retouren im Monat macht man das von Hand. Wenn die Zahl steigt, wird es schnell zur Fleißarbeit – und die Korrekturrechnung ist dabei nur das letzte Glied einer Kette, die schon beim Bestelleingang anfängt.

eBay-Bestellungen, Rechnungen und Retouren in einem Ablauf

Genau diese Kette nimmt Ihnen Easy Invoice in der office1.cloud ab – vom Import der Bestellung bis zur Korrekturrechnung nach der Rücksendung.

Die Bestellungen kommen von selbst herein. Sie verbinden Ihr eBay-Konto einmal über die Freigabeseite von eBay; Ihr Passwort sieht die Software dabei nie. Danach holt der eBay-Import neue Bestellungen laufend ab – aus dem normalen Verkauf ebenso wie aus Ihrem eBay-Shop – und übernimmt Käufername und Anschrift, Artikel mit Menge und Preis, die Versandkosten als eigene Position sowie Zahlungsart, Bestellnummer und Datum. Stammkunden werden wiedererkannt und nicht jedes Mal neu angelegt, und die Artikel werden Ihrem eigenen Artikelstamm zugeordnet – damit Steuersatz und Bezeichnung aus Ihrem Stamm kommen und nicht aus dem eBay-Titel, in dem meist Werbeworte stehen.

Mehrere Bestellungen werden zu einer Rechnung. Im Teilehandel ist das der Alltag: Ein Kunde klickt Bremsscheiben, Beläge und Verschleißanzeiger einzeln über „Sofort-Kaufen" statt über den Warenkorb. Ergebnis sind drei Bestellungen, dreimal Porto und drei Rechnungen für ein Paket. eBay kann das nach der Bezahlung nicht mehr zusammenführen. Easy Invoice schlägt Ihnen die Bündelung vor, Sie bestätigen sie, und daraus werden ein Vorgang und ein Beleg – auch über mehrere eBay-Konten und Ihren eigenen Webshop hinweg. Das zu viel berechnete Porto erscheint dabei als Erstattung auf dem Beleg, damit der Betrag zu dem passt, was der Kunde tatsächlich gezahlt hat.

Für die Rücksendung heißt das: ein Vorgang statt drei. Kommen die Beläge zurück und der Rest bleibt beim Kunden, erzeugen Sie die Korrekturrechnung über genau diese Position, mit Bezug auf die ursprüngliche Rechnungsnummer. Die Umsatzsteuer wird für den Teilbetrag herausgerechnet, und der Zahlungsstatus des Vorgangs stimmt danach wieder – ohne dass Sie in drei Belegen suchen müssen, in welchem die Bremsbeläge standen.

Wie die Anbindung im Einzelnen funktioniert, welcher Auslöser für die Rechnung der richtige ist und worauf Sie beim Bündeln achten sollten, steht in eBay Rechnungen automatisch erstellen. An Ihren eigenen Bestellungen ansehen können Sie es mit einem kostenlosen Testzugang ohne Zahlungsdaten – der Test endet automatisch, Sie müssen nichts kündigen.

Deutschland ist die dritte Stufe – was sich aus USA und Großbritannien ableiten lässt, und was nicht

Die Regel ist kein deutscher Sonderweg, sondern ein Rollout. In den USA gilt sie für Motors Parts & Accessories seit Sommer 2025: Die Verkäuferpflicht griff Mitte Juli, am 20. August 2025 vermeldete eBay den Start gegenüber Käufern mit über 700 Millionen Teilen, die nun kostenlos zurückgehen können. In Großbritannien folgte sie am 8. Juni 2026. Deutschland ist am 28. September dran. Wer noch hofft, das werde wieder zurückgenommen: In den USA steht die Regel seit über einem Jahr.

Warum eBay das tut, sagt eBay selbst. In der Teilekategorie ist die Angst, das falsche Teil zu bestellen, der größte Bremsklotz vor dem Kaufknopf. Zum Start des Fahrzeugteile-Versprechens 2023 berichtete eBay aus einer eigenen Umfrage, dass über 25 Prozent der Fahrzeughalter selbst reparieren, 12 Prozent aber Sorge haben, das falsche Teil zu bestellen, und 30 Prozent fürchten, beim Einbau Fehler zu machen – und deshalb trotz höherer Kosten doch in die Werkstatt fahren. Wer diese Sorge auflöst, holt Umsatz aus der Werkstatt in den Onlinehandel. Das ist eBays Rechnung, und sie ist nicht abwegig.

Was ein einzelner Händler berichtet: In den US-Verkäuferforen gab es beim Start deutlichen Widerstand. Ein Händler schilderte einige Monate nach der Einführung, seine Retourenquote sei von 0,02 auf 3,8 Prozent gestiegen; bei einem Anlasser für 150 Dollar bleibe je Rückgabe ein Verlust von 73 Dollar, bei einem Filter für 20 Dollar fresse allein der Versand den Gewinn. Er habe sein Sortiment daraufhin von 1.055 auf 350 Angebote zurückgefahren.

Das ist die Schilderung aus einem einzigen Betrieb, und mehr ist es nicht. Nachprüfen lassen sich die Zahlen nicht, ob die Regel die Ursache war, steht dort nicht, und wie es anderen Händlern erging, sagt der Beitrag ebenfalls nicht. Eine Retourenquote lässt sich daraus nicht ableiten – weder für die Branche noch für Ihren Betrieb. Der Fall steht hier, weil er zeigt, worüber Händler sich Sorgen machen, nicht weil er etwas belegt.

Belastbare Zahlen gibt es zu keiner der drei Stufen. eBay veröffentlicht weder Retourenquoten noch Umsatzeffekte, und für Großbritannien liegen nach zwei Monaten überhaupt keine Auswertungen vor. Wer Ihnen sagt, die Regel koste X Prozent Marge oder bringe Y Prozent mehr Umsatz, hat sich das ausgedacht.

Zwei Dinge lassen sich unabhängig davon sagen, weil sie aus dem Regeltext folgen und nicht aus Erfahrungsberichten. Erstens: Die Regel bleibt. Drei Länder, dieselbe Mechanik, dieselben Ausnahmen – auf eine Rücknahme zu warten wäre die teuerste Variante. Zweitens: Verschoben wird nur das Rücksendeetikett. eBay beteiligt sich an diesen Portokosten, am Zustand der zurückkommenden Ware ändert das nichts. Was ein zurückgeschicktes Teil Sie am Ende kostet, entscheidet sich weiterhin daran, ob Sie es noch als neu verkaufen können.

Und daraus folgt die einzige Maßnahme, die vor dem Stichtag wirklich zählt: Weil es von außen keine belastbaren Zahlen gibt, sind Ihre eigenen die einzigen, die Sie im Dezember haben werden.

Der nächste Termin steht schon – und was diese Woche zu tun ist

Aus derselben Ankündigung stammt eine zweite Änderung, die weiter weg liegt, aber schon jetzt zählt: Ab dem 22. Februar 2027 gelten zusätzliche Mindestanforderungen für das Top-Service-Logo. Weniger als 5 Prozent nicht fristgerecht verschickte Artikel, und bei über 90 Prozent der betroffenen Sendungen muss eine Sendungsnummer hochgeladen sein. Bewertet wird monatlich.

Wichtig daran ist der Zeitpunkt: Bewertet wird über zurückliegende Monate. Wer im Februar 2027 die Quote reißt, hat den Fehler im Herbst 2026 gemacht. Amazon hat mit der 90-Prozent-Pünktlichkeitsquote im Juli 2026 dasselbe Muster gefahren – die Erfahrungen daraus haben wir in Amazon FBM: 90 Prozent Pünktlichkeitsquote zusammengefasst.

Für die Fahrzeugteile-Regel bleiben sechs Schritte:

  1. Im Verkäuferportal nachsehen, welche Ihrer Angebote als berechtigt gelten – die Kategorienliste ist der Punkt, den Sie nicht raten sollten.
  2. Drei Zahlen notieren, solange die alte Regel noch gilt: Retourenquote der letzten drei Monate, Anteil der Rückgaben mit dem Grund „Meinung geändert", durchschnittlicher Warenwert je Rücksendung.
  3. Eine eigene Rücknahmerichtlinie nur für die betroffenen Angebote anlegen: 30 oder 60 Tage, Rücksendekosten beim Verkäufer.
  4. Wenn Sie über ein Multichannel-Tool listen: dort umstellen, nicht nur bei eBay, und danach die Synchronisierung prüfen.
  5. Vergleichen, ob das eBay-Rücksendeetikett nach Abzug der 50 Prozent günstiger ist als Ihr eigener Versandvertrag.
  6. Wer heute schon einen Monat Rückgabe anbietet: bis zum 12. August umstellen und die Kostenbeteiligung sechs Wochen früher mitnehmen.

Die betroffenen Kategorien und die Umstellung selbst finden Sie in Ihrem eBay-Verkäuferportal. Über die Ankündigung berichtete am 5. August 2026 unter anderem onlinemarktplatz.de; der ausführliche Regeltext zur britischen Fassung, an der sich die deutsche orientiert, steht in den eBay-Richtlinien.

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