Ein Kontenrahmen ist eine Nummernliste: Jede Art von Einnahme und jede Art von Kosten bekommt eine feste Nummer. SKR03 und SKR04 sind zwei solche Listen – und sie unterscheiden sich nur in der Reihenfolge der Nummern, nicht im Inhalt. Ihr Umsatz mit 19 Prozent Umsatzsteuer heißt im SKR03 8400 und im SKR04 4400. Derselbe Vorgang, zwei Nummern.
Wenn Sie einen Steuerberater haben, entscheiden Sie gar nicht: Sie übernehmen den Kontenrahmen, mit dem seine Kanzlei arbeitet, sonst kommen Ihre Zahlen dort falsch an. Haben Sie keinen Steuerberater, nehmen Sie SKR03, wenn Sie eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen – kurz EÜR, die einfache Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben. SKR04 nehmen Sie, wenn Sie eine Bilanz aufstellen. Wichtiger als die Wahl selbst ist der Zeitpunkt: Sobald die ersten Buchungen auf Ihren Konten liegen, kommen Sie aus dem Kontenrahmen praktisch nicht mehr heraus.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.
Inhaltsverzeichnis
- Was SKR03 und SKR04 überhaupt sind
- Der einzige echte Unterschied: die Sortierung
- Dieselbe Buchung, zwei Nummern – die Alltagskonten im Vergleich
- Welchen nehmen Sie? Eine Vorfrage und drei Fälle
- Zählt der Kontenrahmen bei einer EÜR überhaupt?
- Später wechseln: warum das meistens nicht mehr geht
- Was passiert, wenn Sie den anderen gewählt haben als Ihre Kanzlei
- Kontenrahmen in office1.cloud einstellen
- Häufige Fragen
Was SKR03 und SKR04 überhaupt sind
SKR steht für Standardkontenrahmen. Der Zweck: Wenn Sie „8400" buchen und Ihr Steuerberater „8400" liest, meinen beide dasselbe – nämlich Umsatz mit 19 Prozent Umsatzsteuer. Die 8400 ist also keine Erfindung Ihrer Software, sondern ein Eintrag in einer Liste, die DATEV herausgibt und jährlich aktualisiert.
Die beiden Listen, um die es geht, heißen offiziell:
- SKR 03 – „Standardkontenrahmen – Prozessgliederungsprinzip", DATEV Art.-Nr. 11174, gültig für 2026
- SKR 04 – „Standardkontenrahmen – Abschlussgliederungsprinzip", DATEV Art.-Nr. 11175, gültig für 2026
Beide Dokumente können Sie bei DATEV kostenfrei herunterladen. Beide sind rund 40 Seiten lang und listen jeweils weit über tausend Konten auf. Von denen brauchen Sie im Alltag ungefähr zwanzig.
Ein Kontenrahmen ist keine Vorschrift. Das Gesetz verlangt, dass sich Ihre Buchungen nachvollziehen lassen – es schreibt Ihnen keine Nummer vor. SKR03 und SKR04 sind Branchenstandard, weil Steuerberater damit arbeiten, nicht weil ein Paragraf sie nennt.
Der einzige echte Unterschied: die Sortierung
Die Namen verraten es bereits. Der SKR03 ist nach dem Prozess sortiert, also grob danach, wie Geld durch einen Betrieb wandert: erst was Ihnen gehört und was Sie hineingesteckt haben, dann Bank und Kasse, dann der Wareneinkauf, dann die Kosten, dann die Erlöse.
Der SKR04 ist nach dem Jahresabschluss sortiert. Seine Klassen laufen in derselben Reihenfolge wie eine Bilanz: Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Eigenkapital, Fremdkapital – und danach die Gewinn- und Verlustrechnung mit Erträgen vor Aufwendungen.
So sehen die zehn Kontenklassen nebeneinander aus. Sie müssen keinen dieser Begriffe kennen – achten Sie nur darauf, wie weit die Zeilen auseinanderlaufen:
| Klasse | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| 0 | Anlage- und Kapitalkonten | Anlagevermögenskonten |
| 1 | Finanz- und Privatkonten | Umlaufvermögenskonten |
| 2 | Abgrenzungskonten | Eigenkapitalkonten |
| 3 | Wareneingangs- und Bestandskonten | Fremdkapitalkonten |
| 4 | Betriebliche Aufwendungen | Betriebliche Erträge (Umsatzerlöse) |
| 5 | frei | Betriebliche Aufwendungen (Material, Wareneingang) |
| 6 | frei | Betriebliche Aufwendungen (Personal, sonstige) |
| 7 | Bestandskonten (unfertige und fertige Erzeugnisse) | Weitere Erträge und Aufwendungen |
| 8 | Erlöskonten | frei |
| 9 | Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten | Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten |
Daraus folgt die eine Faustregel, an der Sie die beiden im Zweifel auseinanderhalten: Im SKR03 stehen Ihre Umsätze bei 8, im SKR04 bei 4. Sehen Sie in einer Auswertung Erlöse mit einer 8 vorn, ist es SKR03.
Dieselbe Buchung, zwei Nummern – die Alltagskonten im Vergleich
Auf diese Konten läuft der größte Teil Ihrer Buchungen. Die Nummern stammen aus den DATEV-Kontenrahmen 2026.
| Wofür | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| Erlöse 19 % USt | 8400 | 4400 |
| Wareneingang 19 % Vorsteuer | 3400 | 5400 |
| Bank | 1200 | 1800 |
| Kasse | 1000 | 1600 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 1400 | 1200 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 1600 | 3300 |
| Abziehbare Vorsteuer 19 % | 1576 | 1406 |
| Umsatzsteuer 19 % | 1776 | 3806 |
| Geringwertige Wirtschaftsgüter | 0480 | 0670 |
| Bürobedarf | 4930 | 6815 |
| Bewirtungskosten | 4650 | 6640 |
| Reisekosten Unternehmer | 4670 | 6670 |
| Abschreibungen auf Sachanlagen | 4830 | 6220 |
An Zeile drei und fünf sehen Sie, warum eine Verwechslung teuer wird: Die 1200 ist im SKR03 Ihr Bankkonto und im SKR04 Ihre offenen Kundenforderungen. Dieselbe Zahl, zwei völlig verschiedene Bedeutungen. Ein Beleg, der im falschen Rahmen importiert wird, landet deshalb nicht ungefähr richtig, sondern komplett woanders.
Welchen nehmen Sie? Eine Vorfrage und drei Fälle
Vorfrage: Brauchen Sie überhaupt einen Kontenrahmen?
Wenn Sie mit Ihrem Programm ausschließlich Rechnungen schreiben und die Belege einmal im Jahr im Schuhkarton zur Kanzlei tragen, dann bucht dort jemand anders – und die Kontenrahmen-Frage betrifft Sie nur an einer Stelle: sobald Sie Daten statt Papier liefern wollen.
Sobald Sie aber Ausgaben im Programm erfassen, Auswertungen ziehen oder Daten exportieren, ordnen Sie jeder Zeile ein Konto zu. Ab da brauchen Sie einen Kontenrahmen, und ab da lohnt sich die Entscheidung.
Fall 1: Sie haben einen Steuerberater
Dann ist die Frage schon beantwortet – von ihm. Fragen Sie in einer Mail nach, welchen Kontenrahmen seine Kanzlei für Sie führt, und stellen Sie genau den ein. Der Satz reicht:
Guten Tag, ich richte meine Buchhaltung ein. Arbeiten Sie für mich mit SKR 03 oder SKR 04?
Zwei weitere Angaben brauchen Sie ohnehin, wenn Sie ihm später Daten liefern wollen: Beraternummer und Mandantennummer. Was noch dazugehört, steht in unserem Beitrag zur vorbereitenden Buchhaltung.
Fall 2: Sie machen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, ohne Steuerberater
Nehmen Sie SKR03. Der Aufbau folgt dem, was Sie im Kopf ohnehin tun: Geld rein, Geld raus, was bleibt übrig. Die Klasse 4 sammelt Ihre Kosten, die Klasse 8 Ihre Umsätze. Wer eine EÜR macht, braucht die Bilanzlogik des SKR04 an keiner Stelle.
Wer typischerweise so arbeitet: Einzelunternehmer, Freiberufler, Kleinunternehmer nach § 19 UStG, kleine Gewerbebetriebe unterhalb der Buchführungsgrenzen des § 141 AO.
Fall 3: Sie stellen eine Bilanz auf
Nehmen Sie SKR04. Eine Bilanz stellt gegenüber, was der Betrieb besitzt und was er schuldet – deutlich aufwendiger als eine EÜR. Im SKR04 stehen genau diese Positionen in derselben Reihenfolge, in der sie später auch im Jahresabschluss auftauchen. Das erspart Ihnen und Ihrem Berater bei jeder Auswertung das Umsortieren.
Hier geht oft etwas durcheinander: Nicht die Rechtsform entscheidet, sondern die Art der Gewinnermittlung. Eine GmbH bilanziert immer, deshalb passt dort meistens SKR04. Ein Einzelunternehmer darf bilanzieren, muss es aber meistens nicht.
Verpflichtet sind Sie erst oberhalb bestimmter Grenzen. Nach § 141 AO greift die Buchführungspflicht bei einem Gesamtumsatz von mehr als 800.000 Euro im Kalenderjahr oder einem Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 80.000 Euro im Wirtschaftsjahr. Für eingetragene Einzelkaufleute nennt § 241a HGB dieselben Werte, dort an zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren gemessen.
Ein Detail, das viele beruhigt: Die Pflicht beginnt nicht in dem Moment, in dem Sie die Grenze reißen. Nach § 141 Abs. 2 AO gilt sie erst ab dem Wirtschaftsjahr, das auf die Mitteilung des Finanzamts folgt. Sie bekommen also Post, bevor sich etwas ändert.
Zählt der Kontenrahmen bei einer EÜR überhaupt?
Ja, aber anders, als viele erwarten. Für die EÜR selbst brauchen Sie keine Kontonummern – Sie brauchen Summen pro Kostenart. Die Nummern sind das Sortiersystem, aus dem diese Summen entstehen.
Praktisch heißt das: Jede Ausgabe, die Sie einem Konto zuordnen, weiß dadurch, in welche Zeile der Anlage EÜR sie später gehört. Tanken landet nicht deshalb in der richtigen Zeile, weil Sie „Tanken" geschrieben haben, sondern weil das Konto dahinter mit einer EÜR-Zeile verknüpft ist. Genau diese Verknüpfung liefert der Kontenrahmen mit.
Für die Auswertungen daraus – EÜR, Erfolgsübersicht, Umsatzsteuer-Voranmeldung – ist es gleichgültig, ob die Nummer 4930 oder 6815 lautet. Wichtig ist nur, dass Sie nicht mitten im Jahr die Zuordnung wechseln.
Später wechseln: warum das meistens nicht mehr geht
Ein Kontenrahmen ist keine Anzeigeeinstellung, die man umschaltet. Jede gebuchte Zeile hängt an einem Konto dieses Rahmens. Wechseln Sie den Rahmen, verlieren die vorhandenen Buchungen ihren Bezugspunkt – und Ihre Auswertungen für das laufende Jahr stimmen nicht mehr.
Die meisten Programme lassen den Wechsel deshalb nur zu, solange nichts gebucht ist. Auch office1.cloud macht das so: Sobald auf Konten des aktiven Kontenplans Buchungen liegen, wird der Wechsel abgelehnt, statt Ihre Daten stillschweigend zu verbiegen.
Daraus folgt die eigentliche Empfehlung dieses Beitrags: Klären Sie die Frage vor der ersten Buchung, nicht wenn das erste Quartal fertig ist. Der Anruf bei der Kanzlei dauert zwei Minuten. Ein nachträglicher Wechsel bedeutet, das Buchungsjahr neu aufzusetzen.
Wenn Sie mitten im Jahr merken, dass Sie den anderen Rahmen brauchen, gibt es zwei gangbare Wege: den Wechsel zum nächsten Wirtschaftsjahr planen, oder das laufende Jahr mit Ihrem Berater bereinigen. Beides gehört besprochen, bevor Sie etwas löschen.
Was passiert, wenn Sie den anderen gewählt haben als Ihre Kanzlei
Der Datenimport beim Steuerberater ordnet Ihre Buchungen anhand der Kontonummern zu. Stimmt der Rahmen nicht überein, werden die Zahlen nicht abgelehnt, sondern falsch verbucht. Ihre Umsätze aus Konto 8400 laufen im SKR04 gegen einen Bereich, der dort nichts mit Erlösen zu tun hat.
Auffallen kann das spät – oft erst, wenn die Auswertung unplausibel aussieht. Der Aufwand liegt dann bei der Kanzlei, und den bezahlen Sie. Deshalb ist die Frage nach dem Kontenrahmen die erste, die Sie stellen, und nicht die letzte.
Ein zweiter Stolperstein betrifft Wechsel der Kanzlei: Führt Ihr neuer Berater SKR04 und Ihr alter SKR03, ist das kein Beinbruch für die Vergangenheit – abgeschlossene Jahre bleiben, wie sie sind. Geplant wird der Wechsel zum neuen Wirtschaftsjahr.
Kontenrahmen in office1.cloud einstellen
In Easy Invoice finden Sie die Einstellung unter Einstellungen › SKR-Kontenplan. Dort spielen Sie mit einem Klick SKR03 oder SKR04 ein und legen fest, welcher Kontenplan aktiv ist. Konten, die Sie nicht brauchen, blenden Sie aus; eigene Konten legen Sie zusätzlich an. Häufig genutzte markieren Sie als Favorit, damit sie beim Zuordnen oben stehen.
Was Sie dabei wissen müssen:
- Die Buchhaltungsfunktion mit Kontenplan ist ab dem Standard-Tarif enthalten.
- Der gewählte Rahmen steuert die Kontonummern im DATEV-Export an Ihren Steuerberater.
- Ein Wechsel ist gesperrt, sobald Buchungen vorliegen – siehe oben.
- Easy Invoice erstellt keine Bilanz. Wenn Sie bilanzieren, ist SKR04 hier vor allem dafür da, dass Ihre Daten bei der Kanzlei richtig ankommen.
Wie die zugeordneten Konten in Ihren Auswertungen ankommen, zeigt der Beitrag BWA selbst erstellen. Wie die Zuordnung im Belegalltag abläuft, steht in Eingangsrechnungen verwalten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen SKR03 und SKR04 in einem Satz? SKR03 sortiert die Konten nach dem betrieblichen Ablauf, SKR04 nach dem Aufbau des Jahresabschlusses – die Geschäftsvorfälle sind dieselben, nur die Nummern unterscheiden sich.
SKR03 oder SKR04 für Einzelunternehmen? Wer eine EÜR macht, fährt mit SKR03 gut. Bilanzieren Sie freiwillig, passt SKR04 besser. Hat Ihre Kanzlei bereits einen Rahmen für Sie angelegt, gilt deren Einstellung.
SKR03 oder SKR04 für Kleinunternehmer? SKR03. Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG machen Sie eine EÜR, und die Bilanzsortierung des SKR04 bringt Ihnen dabei nichts. Was auf Ihre Rechnungen gehört, steht in Rechnung ohne Umsatzsteuer schreiben.
SKR03 oder SKR04 für Freiberufler? Freiberufler ermitteln ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG per EÜR und sind nicht buchführungspflichtig. Damit ist SKR03 der naheliegende Rahmen. Ob Sie überhaupt freiberuflich sind, klärt Freiberufler oder Gewerbe.
SKR03 oder SKR04 für eine GmbH? Eine GmbH bilanziert, deshalb wird in der Praxis meist SKR04 geführt. Vorgeschrieben ist er nicht – entscheidend ist, womit Ihre Kanzlei arbeitet.
Kann ich den Kontenrahmen unterjährig wechseln? Technisch fast nie, sinnvoll noch seltener. Sobald Buchungen vorliegen, hängen sie an den Konten des aktiven Rahmens. Planen Sie den Wechsel zum nächsten Wirtschaftsjahr und sprechen Sie ihn vorher mit Ihrem Berater ab.
Wo bekomme ich die vollständige Kontenliste? Direkt bei DATEV als PDF: SKR 03 unter der Art.-Nr. 11174, SKR 04 unter der Art.-Nr. 11175, jeweils mit Jahresangabe. Achten Sie auf das Jahr – die Rahmen werden jährlich fortgeschrieben.
Gibt es außer SKR03 und SKR04 noch andere? Ja, DATEV führt weitere Rahmen für bestimmte Branchen und Rechtsformen. Für kleine Betriebe und Selbstständige laufen praktisch alle Wege über SKR03 oder SKR04.
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