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Lieferanten in China finden: Städte, Plattformen und EU-Nachweise erklärt

Nicht Temu oder der niedrigste Stückpreis entscheiden über einen erfolgreichen China-Einkauf. Dieser Ratgeber zeigt den Weg von der passenden Produktionsregion über die Lieferantenprüfung bis zu den notwendigen Unterlagen für den Verkauf in Deutschland und der EU.

Lieferanten in China finden: Städte, Plattformen und EU-Nachweise erklärt

Die optimale Vorgehensweise in Kurzform: Beschreiben Sie zuerst das gewünschte Produkt, den Zielmarkt und alle Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Suchen Sie anschließend in der passenden chinesischen Industrieregion und auf einer geeigneten B2B-Plattform nach mehreren Lieferanten, lassen Sie sich vergleichbare Angebote und Muster schicken und prüfen Sie Geschäftslizenz, Herstellerrolle und Unterlagen für den europäischen Markt. Erst wenn ein seriennahes Muster, die technischen Nachweise und die Gesamtkosten stimmen, folgt eine kleine Testbestellung mit schriftlicher Produktspezifikation und Qualitätskontrolle vor dem Versand. Bei 1688, mehreren Fabriken oder schwieriger Kommunikation kann eine transparente Einkaufsagentur helfen – die Verantwortung des deutschen Importeurs nimmt sie ihm jedoch nicht automatisch ab.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum AliExpress und Temu nur für die erste Orientierung taugen
  2. Was Sie vor der Lieferantensuche festlegen sollten
  3. Welche chinesische Stadt passt zu welchem Produkt?
  4. Alibaba, 1688, Yiwugo oder Messe: Wo sollten Sie suchen?
  5. Wie finden Sie einen Hersteller statt nur einen Zwischenhändler?
  6. Wie schreiben Sie chinesische Lieferanten auf Englisch an?
  7. Wann lohnt sich eine Einkaufsagentur in China?
  8. Wie prüfen Sie Muster, Mindestmenge und Serienqualität?
  9. Welche Nachweise brauchen Produkte für Deutschland und die EU?
  10. Wie kommen Sie an Prüfberichte, CE-Unterlagen und Registrierungen?
  11. Was kostet der Import wirklich?
  12. Die erste Testbestellung in zehn Schritten
  13. Häufige Fragen zum Einkauf in China

Dieser Beitrag hat den Stand Juli 2026 und bietet eine allgemeine Orientierung. Welche Vorschriften und Nachweise tatsächlich gelten, hängt vom konkreten Produkt, seiner Ausführung und seiner Verwendung ab; der Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts-, Zoll- oder Produktberatung.

Warum AliExpress und Temu nur für die erste Orientierung taugen

AliExpress und Temu sind nützlich, um Produktideen, Varianten, Verkaufspreise und Kundenbewertungen zu beobachten. Besonders aufschlussreich sind negative Bewertungen: Sie zeigen, welche Größen fehlen, welche Materialien billig wirken, welche Teile häufig brechen oder welche Anleitung Käufer nicht verstehen. Daraus kann eine bessere Produktbeschreibung für die spätere Lieferantensuche entstehen.

Als dauerhafte Beschaffungsquelle für einen gewerblichen Shop sind beide Plattformen jedoch nur eingeschränkt geeignet. AliExpress bezeichnet sich selbst als globale Einzelhandelsplattform, Temu richtet sein Angebot ebenfalls an Verbraucher. Dort finden Sie deshalb nicht zwingend die Fabrik, erhalten nicht automatisch vollständige technische Unterlagen und können Konditionen für Verpackung, Material, Markenaufdruck oder Serienproduktion oft nur begrenzt verhandeln.

Hinzu kommt ein Punkt, der in vielen Anleitungen zu kurz kommt: Ein Produkt darf nicht allein deshalb in Ihrem Shop verkauft werden, weil es bereits auf Temu oder AliExpress angeboten wird. Markenrechte, Designs, Produktbilder und Bedienungsanleitungen können geschützt sein. Auch die Produktsicherheit für den europäischen Markt müssen Sie selbst prüfen. Ein vorhandenes Angebot und eine CE-Abbildung auf einem Produktfoto sind kein belastbarer Nachweis.

Für die erste Marktbeobachtung sind Verbraucherplattformen also brauchbar. Für den Aufbau einer Lieferkette sind internationale B2B-Plattformen, Fachmessen, regionale Großhandelsmärkte oder direkt recherchierte Hersteller meist geeigneter.

Was Sie vor der Lieferantensuche festlegen sollten

Wer lediglich nach „Trinkflasche“, „Handyhülle“ oder „LED-Lampe“ fragt, erhält Angebote, die sich kaum vergleichen lassen. Der eine Anbieter kalkuliert dünnes Material und eine neutrale Verpackung, der andere eine stärkere Ausführung mit Logo. Beide nennen einen Stückpreis, meinen aber unterschiedliche Produkte.

Erstellen Sie deshalb vor der ersten Anfrage ein kurzes Produktblatt. Es sollte mindestens enthalten:

  • Verwendungszweck und Zielgruppe,
  • Maße, Gewicht und zulässige Abweichungen,
  • Material, Materialstärke und Oberfläche,
  • Farben mit genauer Referenz, beispielsweise Pantone statt „dunkelblau“,
  • Funktionen, Spannung, Stecker oder Funktechnik, falls vorhanden,
  • gewünschte Verpackung und Kennzeichnungen,
  • Logo, Druckverfahren und Position des Aufdrucks,
  • geplante Mengen für Muster, Testbestellung und spätere Bestellungen,
  • Zielmarkt Deutschland beziehungsweise Europäische Union,
  • benötigte Bedienungsanleitung und Warnhinweise in deutscher Sprache,
  • bereits bekannte EU-Vorschriften, Normen und Prüfberichte.

Gerade der letzte Punkt gehört an den Anfang. Wenn ein Produkt beispielsweise als Spielzeug, Elektrogerät, Kosmetikprodukt oder Lebensmittelkontaktmaterial gilt, beeinflusst das nicht nur die Unterlagen. Es verändert möglicherweise Material, Konstruktion, Verpackung, Prüfkosten und Mindestbestellmenge. Wer diese Frage erst nach der Produktion stellt, hat im schlimmsten Fall Ware, die nicht verkauft werden darf.

Welche chinesische Stadt passt zu welchem Produkt?

Die Vermutung ist richtig: In China haben sich viele regionale Industriecluster gebildet. Dort sitzen Hersteller, Zulieferer, Werkzeugbauer, Verpackungsbetriebe und Großhändler derselben Branche nah beieinander. Das erleichtert Produktsuche, Anpassungen und Preisvergleiche.

Die Zuordnung ist trotzdem keine Garantie. Manche Orte sind vor allem Handelszentren, während die Fabrik in einer Nachbarstadt steht. Auch ein Anbieter aus der „richtigen“ Region muss einzeln geprüft werden.

RegionTypische SchwerpunkteWichtige Einordnung
YiwuGeschenkartikel, Schmuckzubehör, Schreibwaren, Haushaltsartikel, Socken und viele kleine KonsumgüterRiesiger Handels- und Beschaffungsplatz. Nicht jedes dort angebotene Produkt wird in Yiwu hergestellt.
Shenzhen und HuaqiangbeiElektronik, Komponenten, Platinen, Zubehör und PrototypenStarkes Entwicklungs- und Handelsumfeld. Teile der Fertigung liegen im umliegenden Perlflussdelta, etwa in Dongguan.
GuangzhouBekleidung, Textilien und GroßhandelGeeignet für Mode, Stoffe und Zubehör; verschiedene Stadtteile und Nachbarstädte haben eigene Spezialisierungen.
Shiling im Bezirk HuaduTaschen, Lederwaren, Beschläge und ZubehörVollständige Lieferkette vom Material bis zur fertigen Tasche.
FoshanMöbel, Keramik, Sanitärprodukte und HaushaltsgeräteInteressant für Wohn- und Einrichtungsprodukte, häufig mit hohen Transportkosten.
Guzhen in ZhongshanLeuchten und BeleuchtungstechnikGute Lieferantendichte, aber elektrische Sicherheit und technische Dokumentation früh prüfen.
Chenghai in ShantouSpielzeugGroße Auswahl und vollständige Lieferkette; Spielzeug gehört zugleich zu den anspruchsvolleren Importkategorien.
Keqiao in ShaoxingStoffe, textile Materialien, Färben und VeredelnSinnvoll, wenn Material und Stoffentwicklung wichtiger sind als ein fertiges Standardkleidungsstück.
YongkangWerkzeuge, Metallwaren, Isolierbecher und SicherheitstürenBreites Metall- und Hardwarecluster mit zahlreichen spezialisierten Zulieferern.
XuchangPerücken und HaarprodukteSpezialisierter Standort für Kunst- und Echthaarprodukte.

Für einen einfachen Streuartikel kann der große Markt in Yiwu die bessere Adresse sein. Wer dagegen eine eigene elektronische Baugruppe entwickeln möchte, findet in Shenzhen das passendere Umfeld. Bei Stoffen lohnt die Suche in Keqiao, bei fertiger Mode zusätzlich in Guangzhou und den spezialisierten Bekleidungsclustern des Perlflussdeltas.

Der Nutzen der regionalen Suche liegt nicht nur im Preis. Ein spezialisierter Hersteller versteht typische Materialien, Fertigungsschritte und Qualitätsprobleme schneller als ein Händler, der gleichzeitig Küchenartikel, Spielzeug und Elektronik anbietet.

Alibaba, 1688, Yiwugo oder Messe: Wo sollten Sie suchen?

Die beste Plattform hängt davon ab, ob Sie ein vorhandenes Produkt in kleiner Stückzahl, eine Eigenmarke oder eine komplett neue Ausführung suchen.

SuchwegGeeignet fürGrenzen
Alibaba.comInternationaler B2B-Einkauf, englische Kommunikation, Muster, OEM und ExportViele Handelsunternehmen; Plattformabzeichen ersetzen keine eigene Prüfung.
1688Chinesischer Binnen-Großhandel, lokale Anbieter und ProduktsucheHäufig chinesische Kommunikation, lokale Zahlung, Inlandslieferung und keine Exportbetreuung.
Made-in-ChinaHersteller- und industrieorientierte SucheAuch geprüfte Profile müssen produktbezogen kontrolliert werden.
YiwugoOnlinezugang zu den Ständen des Yiwu-Marktes und kleine KonsumgüterYiwu ist teilweise Handelsplatz; Hersteller und Produktionsort können abweichen.
Canton FairPersönlicher Kontakt, breite Produktauswahl und Vergleich vieler AnbieterReise- und Zeitaufwand; ein Messestand ist noch kein Fabriknachweis.
Fachmessen einer BrancheSpezialisierte Hersteller, neue Produkte und technische GesprächeWeniger geeignet, wenn die Produktidee noch vollkommen offen ist.

Für Anfänger ist Alibaba meist der einfachste Ausgangspunkt. Die Plattform ist auf internationalen B2B-Handel ausgerichtet und bietet Lieferantenprofile, Anfragen und für geeignete Bestellungen einen Transaktionsschutz. Der Status „Verified Supplier“ bedeutet laut Alibaba, dass eine externe Prüfung stattgefunden hat und ein Bericht verfügbar sein kann. Prüfen Sie diesen Bericht trotzdem: Wurde wirklich die Produktion untersucht? Für welche Produktgruppen? An welchem Standort?

Nutzen Sie bei einer ersten Plattformbestellung nach Möglichkeit den vorgesehenen Bestell- und Zahlungsweg und schreiben Sie Produktspezifikation, Liefertermin und Qualitätsanforderungen in den geschützten Auftrag. Alibaba beschreibt Trade Assurance als Schutz für Zahlung, vereinbarte Lieferung und die im Auftrag festgehaltenen Anforderungen. Der Dienst prüft jedoch nicht automatisch, ob Ihr Produkt sämtliche EU-Vorschriften erfüllt. Wird nach der Einigung plötzlich ein anderes Firmen- oder sogar Privatkonto genannt, sollte die Änderung über bereits verifizierte Kontaktdaten geprüft werden.

1688 kann interessant werden, wenn Sie einen chinesischsprachigen Mitarbeiter oder eine Einkaufsagentur haben. Der dort sichtbare Stückpreis ist aber nicht automatisch Ihr Einstandspreis in Deutschland. Übersetzung, chinesische Inlandslieferung, Agentengebühr, Lager, Zusammenführung mehrerer Sendungen, Export und internationale Fracht kommen noch hinzu.

Ein häufiger Denkfehler lautet: „Bei 1688 finde ich immer die echte Fabrik und bei Alibaba nur Zwischenhändler.“ So einfach ist es nicht. Auf beiden Plattformen gibt es Hersteller und Handelsunternehmen. Ein guter Händler kann bei kleinen Mengen, mehreren Produktvarianten oder komplizierter Exportabwicklung sogar sinnvoller sein als eine Fabrik. Entscheidend ist, dass Sie wissen, mit wem Sie arbeiten und welche Leistung im Preis enthalten ist.

Wie finden Sie einen Hersteller statt nur einen Zwischenhändler?

Fordern Sie zunächst die chinesische Geschäftslizenz an. Maßgeblich ist der eingetragene chinesische Firmenname. Das EU SME Centre weist darauf hin, dass englische Firmennamen in China keine entsprechende rechtliche Aussagekraft haben. Firmenname, Anschrift, Bankkonto, Rechnung, Vertrag und Plattformprofil sollten zusammenpassen.

Die IHK Düsseldorf empfiehlt außerdem, Geschäftslizenz, Firmenstempel, Bankverbindung und die Befugnis der Kontaktperson zu kontrollieren. Zahlungen auf ein Privatkonto oder an ein Unternehmen mit völlig anderem Namen benötigen eine schlüssige, überprüfbare Erklärung. Bei Zweifeln sollte keine Anzahlung erfolgen.

Mit diesen Fragen lässt sich die Rolle des Anbieters weiter eingrenzen:

  1. Sind Sie Hersteller oder Handelsunternehmen?
  2. Welche Arbeitsschritte führen Sie selbst aus?
  3. Welche Teile werden von anderen Fabriken zugeliefert?
  4. Wie lautet die genaue Anschrift der Produktionsstätte?
  5. Können Sie einen Videoanruf aus der laufenden Produktion anbieten?
  6. Welche Maschinen und Prüfgeräte werden für unser Produkt eingesetzt?
  7. Wie hoch ist die monatliche Kapazität für genau dieses Modell?
  8. Welche anderen Produkte werden an diesem Standort gefertigt?
  9. Wer besitzt Formen, Druckdaten und technische Zeichnungen nach Bezahlung?
  10. In welche EU-Länder wurde dieses konkrete Modell bereits geliefert?

Ein Anbieter, der ausschließlich Katalogbilder zeigt, Fragen zur Fertigung ausweicht oder vollkommen unterschiedliche Produktwelten anbietet, kann ein Handelsunternehmen sein. Das ist kein automatischer Ausschlussgrund. Es wird aber problematisch, wenn er sich als Fabrik ausgibt, die tatsächliche Lieferkette verschweigt oder keine Kontrolle über die Produktion hat.

Vergleichen Sie mindestens drei, besser fünf ernsthafte Kandidaten anhand derselben Spezifikation. Der niedrigste Preis ist nur ein Kriterium. Reaktionsqualität, technische Rückfragen, vollständige Unterlagen, realistische Lieferzeiten und der Umgang mit Fehlern sagen häufig mehr über die spätere Zusammenarbeit aus.

Wie schreiben Sie chinesische Lieferanten auf Englisch an?

Exportorientierte Anbieter auf Alibaba und internationalen Messen haben häufig englischsprachige Vertriebsmitarbeiter. Bei 1688 und kleineren Fabriken sollten Sie das nicht voraussetzen. Auch gutes Alltagsenglisch verhindert keine Missverständnisse bei Material, Toleranzen oder Prüfanforderungen.

Schreiben Sie kurze Sätze und verwenden Sie Maße, Zeichnungen, Fotos und Tabellen. Freigaben sollten nicht nur in einem Telefonat oder verstreut in WeChat-Nachrichten erfolgen. Halten Sie die endgültige Produktspezifikation, Verpackung, Qualitätsgrenzen, Lieferzeit und Zahlungsbedingungen in Bestellung oder Vertrag fest.

Diese Vorlage kann für die erste Anfrage angepasst werden:

Subject: RFQ for [exact product] for the German and EU market

Hello,

we are a German online retailer looking for a long-term supplier for
[exact product]. The attached specification is part of our request.

Please quote the following quantities:
- 300 pieces
- 1,000 pieces
- 3,000 pieces

Please include:
- unit price for each quantity
- MOQ
- sample price and sample lead time
- production lead time
- EXW and FOB price
- packaging dimensions, gross weight and units per carton
- cost and MOQ for our logo and custom packaging
- payment terms

Please also confirm:
1. Are you the manufacturer or a trading company?
2. Which production steps are completed in your own factory?
3. What is the factory address?
4. Which EU rules and standards were applied to this exact model?
5. Can you provide the complete EU Declaration of Conformity and full
   test reports for the exact model before we order?
6. Can an independent inspector check the goods before shipment?
7. Which HS code do you normally use for this product?

The destination market is Germany and the European Union. Instructions,
warnings and labels must be available in German where required.

Best regards
[name and company]

Die vom Lieferanten vorgeschlagene Zolltarifnummer ist nur ein Hinweis. Für die richtige Einreihung bleibt der Importeur verantwortlich. Dasselbe gilt für Aussagen wie „EU approved“, „CE certified“ oder „all certificates available“. Fragen Sie immer nach dem konkreten Dokument für das konkrete Modell.

Wann lohnt sich eine Einkaufsagentur in China?

Eine Einkaufsagentur ist kein eigener Marktplatz. Sie sucht in Ihrem Auftrag Lieferanten, kommuniziert auf Chinesisch, verhandelt, bestellt Muster oder sammelt Ware ein. Je nach Vertrag können weitere Leistungen dazukommen.

Eine Agentur ist besonders hilfreich, wenn Sie:

  • hauptsächlich auf 1688 oder lokalen Märkten suchen möchten,
  • bei mehreren Lieferanten einkaufen und Sendungen zusammenführen wollen,
  • eine eigene Verpackung oder Produktvariante entwickeln,
  • niemanden im Unternehmen haben, der Chinesisch spricht,
  • Fabriken oder Ware vor Ort kontrollieren lassen möchten,
  • sehr viele kleine Bestellungen koordinieren müssen.

Unterscheiden Sie dabei vier Rollen:

  • Einkaufsagent: sucht Anbieter, fragt Preise an und verhandelt.
  • Beschaffungsagentur: koordiniert zusätzlich Muster, Bestellung, Verpackung und Lieferanten.
  • Prüfunternehmen: führt Fabrikaudits oder Warenkontrollen nach festgelegten Kriterien durch.
  • Spedition: organisiert Abholung, Konsolidierung, Transport und gegebenenfalls Zollabfertigung.

Eine Firma kann mehrere Rollen übernehmen. Dann sollten Preis und Verantwortungsbereich jeder Leistung trotzdem getrennt sichtbar sein. Bei einer wichtigen Bestellung ist eine unabhängige Endkontrolle sinnvoller als eine Prüfung, die ausschließlich vom Vermittler des Lieferanten durchgeführt wird.

Eine allgemein gültige Agentenprovision gibt es nicht. Manche Dienstleister berechnen einen festen Betrag, andere einen Prozentsatz vom Einkauf, einen Aufschlag auf die Ware, eigene Wechselkurse oder eine Kombination daraus. Lassen Sie sich deshalb eine Beispielabrechnung mit Original-Warenpreis, Agentenleistung, chinesischer Inlandslieferung, Lagerung, Kontrolle, Export und Fracht zeigen. Ein niedriger Provisionssatz sagt wenig aus, wenn andere Aufschläge nicht sichtbar sind.

Fragen Sie eine mögliche Agentur:

  • Wie lautet die registrierte Firma und auf welches Firmenkonto wird gezahlt?
  • In welchen Regionen und Produktkategorien arbeitet sie regelmäßig?
  • Berechnet sie einen Festpreis, eine Provision, einen Wechselkursaufschlag oder einen Warenaufschlag?
  • Erhält sie zusätzlich Geld vom Lieferanten?
  • Bekommen Sie den Namen, die Lizenz und das Originalangebot der tatsächlichen Fabrik?
  • Wem gehören Formen, Muster, Zeichnungen und Druckdaten?
  • Wie werden Muster, Fehlmengen und Reklamationen dokumentiert?
  • Was umfasst eine Qualitätskontrolle genau?
  • Wer ist Vertragspartner für Ware, Prüfung und Transport?
  • Gibt es überprüfbare Referenzen aus Ihrer Branche?

Eine Agentur kann Zeit sparen und Kommunikationsprobleme lösen. Sie macht aus einem ungeprüften Produkt aber kein zulässiges EU-Produkt. Auch ein Angebot „inklusive DDP und Zertifikaten“ sollte deshalb in einzelne Leistungen und Dokumente zerlegt werden.

Wie prüfen Sie Muster, Mindestmenge und Serienqualität?

Bestellen Sie nicht sofort die Mindestmenge, nur weil der Stückpreis attraktiv aussieht. Ein Muster zeigt Material, Verarbeitung, Funktion und Verpackung. Es zeigt jedoch noch nicht, ob eine Fabrik 1.000 Stück in gleichbleibender Qualität produzieren kann.

Bei mehreren Kandidaten lohnt es sich, Muster parallel zu bestellen. Dokumentieren Sie danach:

  • Gewicht und Maße,
  • Material und Materialstärke,
  • Farbe und Oberfläche,
  • Funktion und Belastbarkeit,
  • Geruch, scharfe Kanten oder lose Teile,
  • Druckbild und Position des Logos,
  • Verpackung und Schutz beim Transport,
  • Vollständigkeit von Kennzeichnung, Anleitung und Warnhinweisen.

Das freigegebene Serienmuster wird häufig als „Golden Sample“ bezeichnet. Bewahren Sie es auf und verknüpfen Sie es eindeutig mit der schriftlichen Spezifikation. Ein Foto allein reicht bei Material, Haptik oder Farbton nicht aus.

Die Mindestbestellmenge – auf Englisch MOQ für Minimum Order Quantity – lässt sich eher reduzieren, wenn Sie Standardmaterialien, vorhandene Farben und neutrale Verpackungen akzeptieren. Eine kleine Testserie kann pro Stück teurer sein, ist aber oft günstiger als ein Lager voller unverkäuflicher oder unzulässiger Ware.

Vereinbaren Sie vor Produktionsbeginn:

  • welche Abweichungen zulässig sind,
  • wie viele zufällig ausgewählte Stücke geprüft werden,
  • welche Fehler kritisch, erheblich oder geringfügig sind,
  • was bei nicht bestandener Prüfung geschieht,
  • wann der Restbetrag fällig wird,
  • ob Nacharbeit oder eine erneute Kontrolle möglich ist.

Die Endkontrolle sollte nach Fertigstellung, aber vor Verschiffung und möglichst vor der letzten großen Zahlung stattfinden. Sie prüft nicht nur das sichtbare Produkt, sondern auch Stückzahl, Kartons, Versandmarkierungen, Zubehör und Dokumente.

Welche Nachweise brauchen Produkte für Deutschland und die EU?

Es gibt kein allgemeines „EU-Zertifikat“, das jede Importware zum Verkauf freigibt. Die notwendigen Nachweise hängen von Produkt, Material, Zielgruppe, Funktion und Vertriebsland ab. Manche Produkte benötigen eine CE-Kennzeichnung, andere dürfen gerade kein CE-Zeichen tragen. Wieder andere brauchen eine Registrierung, Kennzeichnung oder Sicherheitsbewertung, aber kein klassisches Zertifikat.

Als Importeur sind Sie nicht nur Wiederverkäufer. Nach den EU-Vorgaben für Importeure müssen Sie vor dem Verkauf prüfen, ob der Hersteller die notwendigen Schritte durchgeführt hat, die Dokumentation verfügbar ist und das Produkt korrekt gekennzeichnet wurde. Lassen Sie ein Produkt unter Ihrem eigenen Namen oder Ihrer Marke herstellen, können Sie rechtlich als Hersteller gelten und zusätzliche Pflichten übernehmen.

Diese Übersicht zeigt typische Fälle. Sie ist bewusst nicht abschließend, weil schon kleine Produktänderungen andere Vorschriften auslösen können.

ProduktartTypischerweise zu prüfen oder zu beschaffen
Einfache Haushalts-, Deko- oder Büroartikel ohne ElektrikAllgemeine Produktsicherheit nach GPSR, Risikoanalyse, technische Produktunterlagen, Materialanforderungen wie REACH, Rückverfolgbarkeit, Hersteller- und Importeurdaten sowie erforderliche Warnhinweise. Meist keine CE-Kennzeichnung.
Kleidung und andere TextilienGPSR, Textilfaserkennzeichnung, chemische Anforderungen, Rückverfolgbarkeit und gegebenenfalls Pflege- oder Warnhinweise. Normale Kleidung trägt üblicherweise kein CE.
SpielzeugSicherheitsbewertung, technische Unterlagen, relevante Spielzeugnormen wie Teile der EN-71-Reihe, EU-Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung sowie Alters- und Warnhinweise. Die neue EU-Spielzeugverordnung mit digitalem Produktpass gilt im Wesentlichen ab 1. August 2030; bis dahin gelten weitgehend die bisherigen Regeln.
Elektrische Geräte ohne FunkJe nach Produkt unter anderem Niederspannungs- und EMV-Anforderungen, RoHS, technische Unterlagen, Prüfberichte, EU-Konformitätserklärung und CE. Zusätzlich WEEE-/ElektroG-Pflichten und Registrierung.
Geräte mit WLAN, Bluetooth oder anderer FunktechnikAnforderungen der Funkanlagenrichtlinie RED, einschließlich Sicherheit, elektromagnetischer Verträglichkeit und Funknutzung; gegebenenfalls zusätzliche Cybersicherheitsanforderungen. Dazu EU-Konformitätserklärung, technische Unterlagen, Prüfberichte und CE.
Batterien oder Produkte mit BatterieAnforderungen der EU-Batterieverordnung, Kennzeichnungen, Herstellerregistrierung und Rücknahmepflichten; für den Transport von Lithiumbatterien regelmäßig geeignete Transportnachweise wie die UN-38.3-Prüfzusammenfassung. Bei Elektrogeräten kommen weitere Pflichten hinzu.
Trinkflaschen, Geschirr und andere LebensmittelkontaktmaterialienEU-Regeln für Lebensmittelkontaktmaterialien, Angaben zum vorgesehenen Gebrauch und je nach Material Konformitätserklärung, Materialdaten und Migrationsprüfungen. Kunststoff, Keramik, Papier und Metall können unterschiedlichen Regeln unterliegen.
KosmetikEU-verantwortliche Person, Sicherheitsbericht, Produktinformationsdatei, korrekte Inhaltsstoff- und Produktkennzeichnung, Herstellung nach den einschlägigen Vorgaben und Meldung im CPNP-Portal. Kosmetik erhält kein CE-Zeichen.
Persönliche Schutzausrüstung, Medizinprodukte oder bestimmte MaschinenHäufig aufwendige Konformitätsverfahren und je nach Risikoklasse Beteiligung einer notifizierten Stelle. Für einen ersten Import ohne Fachwissen besonders anspruchsvoll.

CE ist kein Zertifikat, das eine Behörde verkauft

Die EU erklärt ausdrücklich, dass es keine zentrale Stelle gibt, die eine allgemeine CE-Genehmigung ausstellt. Der Hersteller ermittelt die anwendbaren Vorschriften, führt das vorgeschriebene Konformitätsverfahren durch, erstellt die technische Dokumentation und unterzeichnet anschließend die EU-Konformitätserklärung. Erst danach wird das CE-Zeichen angebracht, wenn es für diese Produktgruppe vorgeschrieben ist.

Bei manchen Produkten genügt nach den einschlägigen Vorschriften eine ordnungsgemäß dokumentierte Bewertung durch den Hersteller. Bei anderen muss eine notifizierte Stelle beteiligt werden. Eine freiwillige Bescheinigung mit CE-Logo ist nicht automatisch ein rechtlich vorgesehener Konformitätsnachweis.

GPSR gilt auch für Produkte ohne CE

Die EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR gilt seit dem 13. Dezember 2024 für viele Verbraucherprodukte, soweit nicht speziellere Regeln den jeweiligen Sicherheitsaspekt bereits abdecken. Für jedes betroffene Produkt muss ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU vorhanden sein. Hersteller und Importeure benötigen unter anderem Rückverfolgbarkeit, Sicherheitsinformationen und geeignete technische Unterlagen.

Bei Onlineangeboten müssen nach Artikel 19 der GPSR klar sichtbar unter anderem Herstellerangaben, bei einem Hersteller außerhalb der EU zusätzlich die verantwortliche Person in der EU, eine Produktidentifikation sowie notwendige Warn- und Sicherheitsinformationen erscheinen. Diese Angaben gehören daher nicht erst auf den Karton, sondern müssen bereits bei der Gestaltung der Produktseite berücksichtigt werden.

Registrierungen sind keine Produktzertifikate – aber trotzdem Voraussetzung

Vor dem gewerblichen Import wird regelmäßig eine EORI-Nummer für die Zollabwicklung benötigt. Für Verpackungen kann eine Registrierung im Verpackungsregister LUCID sowie eine Systembeteiligung erforderlich sein. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister stellt dabei darauf ab, wer beim Grenzübertritt die rechtliche Verantwortung für die verpackte Ware trägt.

Wer Elektrogeräte oder Batterien importiert und erstmals in Deutschland anbietet, kann nach deutschem Recht als Hersteller gelten. Die stiftung ear erläutert die Registrierungspflichten für Importeure. Eine vorhandene CE-Kennzeichnung ersetzt diese Registrierung nicht.

Bei Kosmetik sind wiederum eine verantwortliche Person in der EU, ein Sicherheitsbericht und die Meldung im kostenlosen Cosmetic Products Notification Portal notwendig. Auch das ist keine CE-Zertifizierung.

Wie kommen Sie an Prüfberichte, CE-Unterlagen und Registrierungen?

Der richtige Zeitpunkt ist vor der Anzahlung für die Serienproduktion. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

1. Produkt rechtlich einordnen

Klären Sie zuerst, was das Produkt rechtlich ist und wie es verwendet wird. Eine dekorative Figur kann ein normaler Dekoartikel oder aufgrund Gestaltung und Bewerbung ein Spielzeug sein. Eine einfache Lampe kann zusätzlich Funktechnik enthalten. Eine Trinkflasche ist ein Lebensmittelkontaktmaterial, eine Flasche mit Filter oder gesundheitlichen Werbeaussagen kann weitere Fragen auslösen.

Erste Informationen zu Zöllen, Einfuhrformalitäten und produktbezogenen Anforderungen bietet der EU-Handelsassistent Access2Markets. Für nationale technische Regeln können die Produktinfostellen der EU-Mitgliedstaaten helfen. Bei Spielzeug, Elektronik, Kosmetik, Schutzprodukten oder anderen sensiblen Kategorien ist eine fachkundige Produkt- oder Rechtsberatung vor der Bestellung sinnvoll.

2. Unterlagen für das genaue Modell anfordern

Bitten Sie nicht pauschal um „all certificates“. Fordern Sie je nach Produkt konkret an:

  • vollständige EU-Konformitätserklärung,
  • vollständige Prüfberichte statt nur Deckblatt oder Zertifikatsfoto,
  • genaue Modell-, Artikel- und Versionsnummern,
  • Liste der angewandten EU-Vorschriften und Normen,
  • Risikoanalyse und weitere technische Dokumentation,
  • Material- und Stücklisten für sicherheitsrelevante Komponenten,
  • Zeichnungen und Produktbeschreibung,
  • Entwürfe von Typenschild, Verpackung und Kennzeichnungen,
  • deutsche Anleitung sowie Sicherheits- und Warnhinweise,
  • bei Lebensmittelkontaktmaterialien die erforderliche Konformitätserklärung und Migrationsdaten,
  • bei Kosmetik Rezepturangaben, Sicherheitsunterlagen und Informationen für die Produktinformationsdatei,
  • bei Lithiumbatterien die zum konkreten Batterietyp gehörende UN-38.3-Prüfzusammenfassung.

Die technische Dokumentation muss laut EU unter anderem Produktbeschreibung, anwendbare Vorschriften, verwendete Normen, Risikoanalyse, relevante Prüfberichte, Kennzeichnung und Anleitung nachvollziehbar zusammenführen.

3. Prüfen, ob Dokument und Ware zusammengehören

Ein echter Laborbericht kann für ein anderes Modell gelten. Vergleichen Sie deshalb:

  • Herstellername und Anschrift,
  • Modellnummer und Fotos,
  • elektrische Daten und Komponenten,
  • Material und Abmessungen,
  • angewandte Norm mit Ausgabejahr,
  • Datum und Umfang der Prüfung,
  • Name und Kontaktdaten des Labors,
  • Seitenzahl und Vollständigkeit des Berichts.

Prüfen Sie bei einem Zertifikat einer notifizierten Stelle zusätzlich, ob die Stelle in der europäischen NANDO-Datenbank für genau diese Vorschrift und Produktgruppe benannt ist. NANDO ist nicht die allgemeine Liste für jedes Prüflabor. Eine notifizierte Stelle ist nur erforderlich, wenn das konkrete Konformitätsverfahren sie vorsieht.

4. Fehlende Prüfungen selbst beauftragen

Wenn Unterlagen fehlen, veraltet sind oder nicht zur geplanten Ausführung passen, lassen Sie ein seriennahes Muster von einem unabhängigen Prüflabor bewerten. Nennen Sie dem Labor den Zielmarkt, die Verwendung, die Zielgruppe, alle Varianten und die geplante Kennzeichnung. Das Labor kann den notwendigen Prüfumfang vorschlagen; die rechtliche Einordnung und die Vollständigkeit des gesamten Konformitätsverfahrens sollten dennoch geklärt sein.

Die Prüfung sollte an derselben Konstruktion und mit denselben sicherheitsrelevanten Materialien und Komponenten erfolgen, die später produziert werden. Tauscht die Fabrik danach Netzteil, Funkmodul, Kunststoff oder Beschichtung aus, können frühere Ergebnisse ihre Aussagekraft verlieren.

5. Dokumentation, Kennzeichnung und Produktseite fertigstellen

Vor dem Verkauf müssen Produkt, Verpackung, Begleitunterlagen und Onlineangebot zusammenpassen. Dazu können gehören:

  • Modell-, Typen-, Chargen- oder Seriennummer,
  • Name und Kontaktanschrift des Herstellers,
  • Name und Kontaktanschrift des Importeurs beziehungsweise verantwortlichen EU-Wirtschaftsakteurs,
  • CE-Zeichen, aber nur wenn vorgeschrieben,
  • WEEE-Symbol, Batterie- oder andere gesetzliche Kennzeichnungen,
  • Inhaltsstoffe, Materialien oder Faserzusammensetzung,
  • Altersangaben und Warnhinweise,
  • deutsche Anleitung und Sicherheitsinformationen,
  • GPSR-Angaben direkt im Onlineangebot.

Die EU-Konformitätserklärung wird vom Hersteller oder dessen dafür zuständigem Bevollmächtigten unterzeichnet. Verkaufen Sie ein eigens für Sie hergestelltes Produkt unter Ihrer Marke, gelten Sie häufig selbst als Hersteller und müssen die entsprechende Verantwortung übernehmen. Ein Prüflabor „erteilt“ Ihnen diese Verantwortung nicht; es liefert Ergebnisse für Ihre Dokumentation.

6. Notwendige Registrierungen vor dem Verkaufsstart abschließen

Je nach Produkt und Vertriebsmodell folgen EORI, LUCID und Systembeteiligung, Elektro- oder Batterieregistrierung, CPNP oder weitere nationale Meldungen. Planen Sie diese Schritte nicht für den Tag der Warenankunft. Manche Registrierung muss bereits vor dem erstmaligen Anbieten oder Inverkehrbringen abgeschlossen sein.

Was kostet der Import wirklich?

Der Stückpreis aus dem Chat ist nicht der Preis, zu dem das Produkt in Ihrem Lager liegt. Kalkulieren Sie mindestens:

Warenpreis + Muster + Werkzeug und Druckdaten + Verpackung + chinesische Inlandskosten + Qualitätskontrolle + internationale Fracht + Versicherung + Zoll + Zollabfertigung + Prüfungen und Dokumentation + Registrierungen + Lagerung + erwartete Fehler und Retouren

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Unterschied: 500 Artikel zu je 3 Euro kosten zunächst 1.500 Euro. Für individuelle Verpackung und Einrichtung fallen beispielhaft 250 Euro an, für Kontrolle 250 Euro, für Fracht und Versicherung 650 Euro, für Zollabfertigung und sonstige Importkosten 200 Euro und für notwendige Produktprüfungen 800 Euro. Damit liegen bereits 3.650 Euro oder 7,30 Euro je verkaufsfähigem Artikel an, noch vor innerdeutschem Versand, Lagerkosten und Einfuhrumsatzsteuer. Das ist keine Zollberechnung, sondern zeigt, warum der Fabrikpreis allein wenig aussagt.

Der Zollsatz hängt von der korrekten Zolltarifnummer und dem Warenursprung ab. Die Einfuhrumsatzsteuer ist für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen häufig kein endgültiger Kostenblock, belastet aber zunächst die Liquidität und muss korrekt nachgewiesen werden. Lassen Sie die Kalkulation bei der ersten Einfuhr von Spedition, Zollagentur oder Steuerberatung prüfen.

Auch die Lieferbedingung – der Incoterm – verändert das Angebot:

  • EXW: Sie übernehmen praktisch ab Fabrik die Organisation und viele Kosten.
  • FOB: Der Lieferant bringt die Ware bis zum vereinbarten Verschiffungshafen und an Bord; ab dort organisieren Sie weiter.
  • CIF: Hauptfracht und eine bestimmte Versicherung bis zum Zielhafen sind enthalten, die Kosten und Aufgaben danach jedoch nicht vollständig.
  • DDP: Der Verkäufer verspricht die Lieferung inklusive Einfuhrabwicklung und Abgaben bis zum benannten Ort.

DDP klingt für Anfänger am einfachsten. Klären Sie trotzdem, wer in der Zollanmeldung als Importeur auftritt, welcher Warenwert und welche Tarifnummer angegeben werden und ob Sie vollständige Einfuhrbelege erhalten. DDP überträgt nicht automatisch Ihre Pflichten für Produktsicherheit, Kennzeichnung, Verpackung oder Herstellerregistrierungen auf den chinesischen Verkäufer.

Wenn Waren mehrerer Lieferanten in eine Sendung sollen, kann eine Agentur oder Spedition sie in einem chinesischen Lager konsolidieren. Das spart nicht in jedem Fall Geld: zusätzliche Inlandstransporte, Lager-, Prüf- und Umpackkosten müssen gegen die eingesparte internationale Fracht gerechnet werden.

Die erste Testbestellung in zehn Schritten

  1. Produkt und Zielgruppe festlegen. Beschreiben Sie Funktion, Material, Maße, Verpackung und gewünschte Menge.
  2. EU-Anforderungen vorprüfen. Klären Sie, ob CE, GPSR, Lebensmittelkontakt-, Kosmetik-, Elektro-, Batterie- oder andere Regeln betroffen sind.
  3. Passende Region und Suchwege wählen. Nutzen Sie Industriecluster, B2B-Plattformen, Fachmessen und gegebenenfalls eine Agentur.
  4. Mehrere Lieferanten identisch anfragen. Vergleichen Sie nicht nur den Stückpreis, sondern auch MOQ, Unterlagen, Verpackung, Lieferzeit und Incoterm.
  5. Firmen und Ansprechpartner prüfen. Geschäftslizenz, chinesischer Firmenname, Produktionsort, Bankkonto und Vertragspartner müssen schlüssig sein.
  6. Muster von zwei oder drei Kandidaten bestellen. Prüfen und dokumentieren Sie Produkt, Verpackung, Kommunikation und Lieferzeit.
  7. Nachweise prüfen oder Prüfungen beauftragen. Tun Sie das vor der Serienbestellung und mit einem seriennahen Muster.
  8. Kleine Testserie schriftlich bestellen. Produktspezifikation, Golden Sample, Fehlergrenzen, Liefertermin und Zahlungsplan werden Bestandteil der Bestellung.
  9. Ware vor dem Versand kontrollieren. Die Endkontrolle erfolgt nach Fertigstellung und vor Verschiffung beziehungsweise Restzahlung.
  10. Zoll, Registrierungen und Verkaufsunterlagen abschließen. Erst wenn Einfuhr, Kennzeichnung, deutsche Anleitung und Onlineangaben geklärt sind, gehört das Produkt in den Shop.

Häufige Fragen zum Einkauf in China

Sprechen chinesische Lieferanten Englisch?

Auf internationalen B2B-Plattformen und Exportmessen häufig ja. Auf 1688 und bei kleineren lokalen Fabriken nicht zuverlässig. Technische Missverständnisse entstehen aber auch bei guten Englischkenntnissen. Verwenden Sie deshalb Zeichnungen, Tabellen, eindeutige Einheiten und eine schriftlich freigegebene Produktspezifikation.

Kann ich als deutsches Unternehmen direkt bei 1688 bestellen?

Manche Anbieter und Zahlungswege ermöglichen es, der Ablauf ist jedoch auf den chinesischen Binnenmarkt ausgerichtet. Häufig fehlen internationale Zahlung, Exportabwicklung, englische Kommunikation oder Auslandsversand. Für kleine deutsche Unternehmen ist deshalb oft ein Einkaufsagent oder ein eigener Partner in China nötig.

Ist ein Zwischenhändler grundsätzlich schlechter als eine Fabrik?

Nein. Ein Händler kann kleinere Mengen, mehrere Produktarten und Exportformalitäten besser bündeln. Eine Fabrik bietet dagegen häufig mehr Einfluss auf Material, Konstruktion und langfristige Serienpreise. Problematisch ist nicht der Händler an sich, sondern eine falsche Darstellung seiner Rolle oder eine undurchsichtige Lieferkette.

Wie erkenne ich, ob ein Lieferant vertrauenswürdig ist?

Es gibt kein einzelnes Siegel, das dies garantiert. Kombinieren Sie Geschäftslizenz und Firmenprüfung, Video oder Audit des Standorts, technische Rückfragen, passende Dokumente, Muster, sichere Zahlungswege und eine kleine erste Bestellung. Plattformabzeichen sind ein Filter, nicht das Ende der Prüfung.

Reicht eine EORI-Nummer für den gewerblichen Import?

Nein. Die EORI-Nummer dient der Identifikation gegenüber dem Zoll. Je nach Produkt brauchen Sie zusätzlich Produktsicherheitsunterlagen, Kennzeichnungen, Registrierungen und korrekte Verkaufsinformationen. LUCID, Elektro- oder Batterieregistrierung sowie CE- oder GPSR-Pflichten werden durch die EORI-Nummer nicht ersetzt.

Reicht das CE-Zertifikat des Lieferanten?

Nicht automatisch. Prüfen Sie zunächst, ob das Produkt überhaupt CE-pflichtig ist. Danach müssen Konformitätserklärung, technische Dokumentation und Prüfberichte zum genauen Modell, Hersteller und aktuellen Produkt passen. Ein allgemeines Zertifikat, ein CE-Logo oder ein Bericht für eine andere Variante genügt nicht.

Bedeutet DDP, dass ich mich um nichts mehr kümmern muss?

Nein. DDP regelt vor allem die vereinbarte Lieferung, Kosten- und Zollabwicklung zwischen Käufer und Verkäufer. Es beseitigt nicht automatisch Ihre Rolle als Importeur, Hersteller unter eigener Marke oder Verpflichteter nach Produkt- und Verpackungsrecht. Lassen Sie sich Zollanmeldung und Einfuhrbelege zeigen und klären Sie die Rollen vor der Bestellung.

Kann eine Agentur Waren mehrerer Lieferanten gemeinsam versenden?

Ja. Konsolidierung gehört zu den häufig angebotenen Leistungen von Einkaufsagenturen und Speditionen. Fragen Sie vorher nach Inlandstransport, Lagerdauer, Prüfung, Umpacken, Exportdokumenten und der Aufteilung von Verlust- oder Schadensrisiken.

Muss ich für den ersten Einkauf selbst nach China reisen?

Nein. Videoanrufe, externe Firmenprüfungen, Muster und unabhängige Warenkontrollen ermöglichen auch aus Deutschland einen vernünftigen Einstieg. Bei hohen Werkzeugkosten, komplexer Entwicklung oder großen Bestellwerten kann ein persönlicher Besuch oder Fabrikaudit dennoch wirtschaftlich sinnvoll sein.

Welche Produkte sind für Anfänger besonders schwierig?

Elektronik, Funkgeräte, Spielzeug, Kosmetik, persönliche Schutzausrüstung, Medizinprodukte, Lebensmittel und Produkte mit Lithiumbatterien bringen häufig höhere Prüf-, Dokumentations- und Registrierungspflichten mit. Ein technisch einfacher Artikel ohne Strom, Körperkontakt, Lebensmittelkontakt oder Kinderbezug ist meist leichter zu beurteilen, unterliegt aber trotzdem der Produktsicherheit und möglichen Materialvorschriften.

Der entscheidende Schritt beim Einkauf in China ist deshalb nicht das Finden des billigsten Artikels. Es ist das Übersetzen einer Produktidee in eine prüfbare Spezifikation, einen nachvollziehbaren Lieferanten und vollständige Unterlagen für den Zielmarkt. Wer diese Arbeit vor der Serienbestellung erledigt, kann Preise und Chancen realistisch bewerten – und erkennt früh, wenn ein vermeintliches Schnäppchen durch Prüfungen, Fracht oder Risiken zu teuer wird.

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